Zürich RB

Mit Zürich RB (Rangierbahnhof) ist der heutige Zürcher Vorbahnhof gemeint. Nach Inbetriebnahme des neuen Rangierbahnhof RBL (Rangierbahnhof Limmattal) zwischen Dietikon und Killwangen wurde der Rangierbetrieb in Zürich RB aufgehoben und der Bahnhof für das Abstellen von Personenwagen und für den Ortsgüterverkehr genutzt. Die Umbezeichnung von Zürich RB in Zürich GB wird im SBB-Nachrichtenblatt 8/1980 vermeldet.

 

Plan Zürich Rangierbahnhof 15. Dezember 1936

Plan Sammlung O. Wileczelek u. K. Hinrichs

 

Durch den Rangierbahnhof führt die doppelspurige Strecke Zürich Altstetten - Zürich Wiedikon, auf dem Plan als "Dienstgeleise" bezeichnet. Mit dieser Strecke kann der Zürcher Kopfbahnhof in der Relation Basel - Chur umfahren werden. Diese Verbindung wurde nicht nur von Güterzügen befahren, sondern auch vom Arlberg-Orient Express Paris - Wien mit Kurswagen nach Bukarest. Dieser Luxuszug hielt statt im Hauptbahnhof in Zürich Enge an.

 

Neben dem Arlberg-Express (die zusätzliche Bezeichnung «Orient» für diesen Zug war mir nicht bekannt) verkehrten auch Verstärkungs- und Zusatzzüge über diese Verbindung. Es gab damals die Fahrplanzüge Basel-Zürich HB-Chur und umgekehrt. Vor allem in der Zeit der Basler Skiferien verkehrte der Schnellzug Nr. 270 ab Chur um ca. 13.15h doppelt und dreifach geführt. Zug 10270 – der Vorzug verkehrte via Zürich HB und Zug 11270 der Nachzug, mit Halt in Zürich-Enge, aber fuhr direkt nach Basel über diese Gleise ohne Bedienung von Zürich HB.

Die Schnellzüge Basel-Zürich HB-Chur und umgekehrt, waren für den Zürcher Hauptbahnhof ein grosses Betriebshindernis. Die Schnellzüge Basel-Chur kamen auf dem äussersten linken Gleis von Altstetten herein, mussten den ganzen Vorbahnhof durchqueren um in Gleis 1-3 für die Weiterfahrt nach Wiedikon-Chur zu gelangen. Der Stellwerkbeamte im Reiterstellwerk durfte die Fahrstrasse erst auflösen, wenn der Zug im eingefahrenen Hallengleis zum Stillstand kam. Bis dann waren alle Ein- und Ausfahrten nach Wiedikon, Oerlikon, Letten und nach Altstetten sowie Rangierfahrten blockiert. Eine Verminderung der Blockierungen gab es erst mit der Inbetriebnahme des ZSW im Jahre 1966, da hier nach den letzten Wagen des einfahrenden Zuges die Fahrstrasse laufend aufgelöst wurde. Die gleiche Situation ergab sich bei den Schnellzügen Chur-Zürich HB-Basel, diese mussten von Wiedikon herkommend in die Gleise 12-15 gelangen.

Der Arlberg-Express führte, neben Schlafwagen von Calais nach Chur, im Winter auch einen Schlafwagen von Grossenbrode-Kai nach Chur. Die Fährverbindung Grossenbrode – Gedser wurde im Mai 1963 durch die sogenannte Vogelfluglinie Puttarden – Roedbyhaven abgelöst.

Der AB Basel-Bucuresti Nord mit der EWP-Nr. 321 war im Nachtzug Wiener-Walzer eingereiht.

Text von Meinrad Stöckli, Au ZH. Herzlichen Dank!

 

Der Bahnhof wir von 6 Stellwerken VIII bis XIII, aber auch von vielen Handweichenposten gesteuert. Die Leitung des Bahnhofs befindet sich etwas versteckt in zwei Dienstgebäuden (DG I und DG II) mit der Bezeichnung "Inspektion" unter der Brücke der Hardstrasse. Stellwerk VIII ist ebenfalls etwas versteckt unter der Brücke der Strecken von Letten und Oerlikon zu erkennen. Stellwerke IX, X und XII befinden sich an der Doppelspur durch den Bahnhof, Stellwerk XI an der Strecke Zürich Altstetten - Zürich HB und Stellwerk XIII schliesslich am westlichen Ende der Gleisgruppe Z.   

 

Die Stellwerkbezirke sind im Plan mit einer feinen punktierten Linie eingezeichnet.

 

Zu beachten ist das nummernlose "Neutrales Geleise" zwischen D und E-Gruppe, auf das sogar mit einem kleinen Pfeil hingewiesen wird. Andernorts werden solche Gleise als Zirkulationsgleise bezeichnet. Der Begriff "neutral" ist mir bislang im diesem Zusammenhang noch nicht begegnet.

 

Stellwerksskizzen und Verschlusstabellen aus der Instruktion vom 15. Dezember 1936. Diese trägt den etwas umständlichen Namen "Handhabung der Stellwerke VIII, IX, X, XI, XII und XIII, der Ablaufsignalanlagen im Gleisfeld B, D, E und der Ablauflichtsignalanlage im Gleisfeld Z des Rangierbahnhofes in Zürich".

Pläne Sammlungen K. Hinrichs, O. Wileczelek

 

 

Es gibt kein eigentliches Befehl - oder Freigabestellwerk, sondern nur ein paar gegenseitige Abhängigkeiten. In der Instruktion wird eine Abfertigungsstelle beim Stellwerk X erwähnt, welche den Stellwerken telephonisch den Befehl zur Einstellung der Fahrstrassen erteilt.

Stellwerk VIII

 

Bauart Bruchsal J, Baujahr 1927

1 Signalhebel 

12 Weichenhebel, kein Reserveplatz

 

Signal C ist ein Rangiersignal in Form einer mechanischen Wendescheibe. Für Ausfahrten aus dem RB nach Zürich Wiedikon muss Stellwerk VIII die Zustimmung an Stellwerk IX erteilen.

 

 

 

Stellwerk IX

 

Bauart Bruchsal J, Baujahr 1927

4 Signalhebel 

12 Weichenhebel

4 Reserveplätze für Signale oder Weichen

 

Stellwerk IX ist zuständig für Ein - und Ausfahrten von/nach Zürich Wiedikon. Ausser Fahrten von / nach der durchgehenden Doppelspur sind auch Einfahrten nach dem Gleisfeld L sowie Ausfahrten aus den Gleisfeldern L und F möglich. Dabei ist jeweils nur die Abzweigweiche im Stellwerk eingebunden, die dahinterliegenden Weichen sind alles örtlich bediente Handweichen.

Weiche 199 führt in gerader Stellung Richtung Depot F. Für Zugfahrten auf der Doppelspur Richtung Wiedikon muss die Weiche immer auf Ablenkung stehen. Trotzdem ist die Grundstellung der Weiche +

 

 

 

Stellwerk X

 

Bauart Jüdel, Baujahr 1927

4 Weichenhebel

3 Reserveplätze

 

Stellwerk X ist das kleinste der 6 Stellwerke mit gerade mal 4 Weichenhebeln. Zudem müssen für Einfahrten Zustimmungen an die Stellwerke IX bzw. XII erteilt werden.

 

 

 

Stellwerk XI

 

Bauart Jüdel, Baujahr 1906

2 Signalhebel

3 Weichenhebel

2 Barrierenkurbeln

 

Stellwerk XI befindet sich abseits der anderen 5 Stellwerke an der Personenzugsstrecke Zürich Altstetten - Zürich PB. Es wurde bereits unter "örtlich bediente Blockstellen" behandelt: Link

 

 

 

 

Stellwerk XII

 

Bauart Jüdel, Baujahr 1928

10 Signalhebel 

18 Weichenhebel

15 Reserveplätze für Signale oder Weichen

 

Stellwerk XII ist das grösste der 6 Stellwerke. Einfahrten sind aus Altstetten auch in Gleise F1, F2 und F3 möglich. Ausfahrten können zusätzlich aus den Gleisen E1-E9, aus Gleis L2 und von der Militärrampe eingestellt werden. Nicht integriert ist hingegen die Barriere des Bahnübergangs Herdernstrasse, dafür besteht eine separate S.K. (evtl. Schrankenkurbel??).

Als Rangiersignale werden sowohl Kreuzsignale wie Klappscheiben verwendet.

 

 

 

 

Stellwerk XIII

 

Bauart Jüdel, Baujahr 1928

2   Signalhebel 

19 Weichenhebel

2   Reserveplätze für Signale oder Weichen

 

Stellwerk XIII steht am Ablaufberg im Gleisfeld Z. Für Ausfahrten Richtung Altstetten dient Signal S, welches gleichzeitig auch als Einfahrsignal von Altstetten gilt. Demzufolge kann es nur nach Zustimmung von Altstetten auf Fahrt gestellt werden. Ausfahrten sind möglich aus Gleisen Z1 - Z3. Am Ablaufberg gibt es noch ein Ablaufsignal, welches jedoch nicht vom Stellwerk XIII bedient wird, sondern vom Rangiermeister am Ablaufberg.

 

 

 

 

Ausschnitt aus dem SBB-Nachrichtenblatt 11/1958. In diesem Artikel sind die Abläufe anschaulich und detailliert beschrieben.

Bemerkenswert ist der Hinweis, dass für alle Züge ab Sargans / Goldau  / Luzern - Thalwil nur 1 Gleis zur Verfügung steht, nämlich das durchgehende Gütergleis 1. Zwar sind ja auch Fahrten nach der Gleisgruppe L möglich, wie wir beim Stellwerk IX gesehen haben. Offenbar kamen aber Fahrten dorthin für Güterzüge nicht in Frage.

Auf der letzten Seite wird auf den Personalbestand eingegangen. Pro Schicht waren etwa 120 Mitarbeiter im Dienst, eine heute kaum noch vorstellbare Zahl.

SBB-NB Sammlung S. Niklaus

 

 

Plan aus Abteilungsbefehl 13/1961

 

Dieser Befehl wurde von der Abteilung für Zugförderung / Kreis I herausgegeben. Gerade für Lokpersonal von weiter entfernten Depots war es nicht immer leicht, in einem grossen Bahnhof wie Zürich die Übersicht über die verschiedenen örtlichen Besonderheiten und Vorschriften zu behalten. Bei Kollegen aus der Westschweiz und dem Tessin kam noch die Sprachproblematik dazu. Deshalb waren solche Zusammenfassungen nicht unüblich. Es ist nur die Zufahrt aus Westen enthalten, das Einfahrsignal aus Wiedikon ist nicht aufgeführt. Die Beschriftung ist deutsch / französisch und auch hier fehlt das "neutrale Geleis / voie neutre" nicht.

Auf alle Fälle bietet der Plan eine gute Übersicht.

Dokument Sammlung K. Hinrichs

 

Luftaufnahme des Rangierbahnhofs. Rechts ist das Stellwerk X zu erkennen. Zwischen dem Stellwerk und der langen Güterwagenreihe verlaufen die beiden Gleise der Doppelspur Zürich Altstetten - Zürich Wiedikon. Direkt an der Strassenbrücke ein Teil der Dienstgebäude. Jenseits der Brücke die Gleisgruppe D, links daneben das "neutrale Gleis" und dann der grosse Ablaufberg (unter der Brücke der Strecken nach Oerlikon und Letten). 

An der Doppelspur Richtung Wiedikon lässt sich auch sehen, dass das durchgehende Gleis über eine Weiche in Ablenkung führt.

 

Diese schon mehrfach publizierte Aufnahme stammt vom Titelbild des SBB-Nachrichtenblatt 7 / 1962, ist aber schon ein paar Jahre älter und stammt aus den Beständen der Swissair. Unter anderem ist sie bereits in kleinerer Form im vorangehenden Artikel aus dem SBB-NB 11/1958 erschienen.

SBB-NB Sammlung S. Niklaus

 

 

Skizzen der Stellwerke Stand 27. Mai 1969

Plan Sammlung S. Niklaus

 

Stellwerke VIII und XI fehlen, wobei mindestens Stellwerk VIII damals noch vorhanden war. Bei Stellwerk X ist die Bezeichnung "Schrägweg" und bei Stellwerk XII "Letzibach" eingetragen.

 

Es wurden zusätzliche Fahrstrassen eingerichtet, unter anderem auch für Fahrten vom falschen Gleis. Ebenfalls wurden zusätzliche Rangiersignale aufgestellt und die mechanischen Hauptsignale durch Lichtsignale ersetzt. Bei Stellwerken IX und XII wurden Gleistafeln installiert.

 

 

 

"Projektplan" Stand Februar 1976

Plan Sammlung S. Niklaus

 

Was genau projektiert wurde, ist mir nicht bekannt. Evtl. geht es um eine Änderung in der Gleisgruppe D, markiert mit gelber Farbe. Die Bezirke von Stellwerk VIII, Posten 56 und Stellwerk Nord sind farblich hinterlegt. Etwas weiter westlich beim ehemaligen Stellwerk XI ist mit Bleistift "Herkunft der Rangierbewegung" und Herkunft des Lkw" markiert. Wozu ist mir ebenfalls nicht bekannt, erfahrungsgemäss dürfte es sich dabei aber um ein eher wenig erfreuliches Ereignis gehandelt haben.

 

Interessanterweise sind auf diesem Plan weitere Posten eingetragen, die ich sonst nirgends gefunden habe. Da auch ich zwischendurch auch gerne etwas zeichne, habe ich diese mit rot hervorgehoben:

 

Posten 56: Schon erwähnt, Weichen blau hervorgehoben

Posten 57: Ganz in der Nähe von Posten 56, bei Weiche 206

Posten 60: Unter der Hardbrücke, neben dem Gebäude der Inspektion

Posten 63: An der Zufahrt zu den Güterhallen, zwischen Gleisen J4 und J5

Posten 65: Bei der Gleisgruppe K "Rohmaterial-Bahnhof" bei Weiche 475

Posten 66: Östlich von Stellwerk XII bei Weiche 264

 

Dafür fehlt auf diesem Plan Posten 55, welcher auf dem Plan Stand 1936 noch eingetragen ist. Evtl. wurde er durch Posten 56 ersetzt.

 

 

Zum Schluss darf schliesslich etwas nicht fehlen: Im Zürcher Vorbahnhof spielt der schweizer Fimklassiker "Hinter den sieben Gleisen" aus dem Jahr 1959. Im Film spielen ua. die damals sehr bekannten Schauspieler Hannes Schmidhauser, Ruedi Walter, Margrit Rainer und Zarli Cariget, die auch mir mit Jahrgang 1962 noch sehr bekannt sind.

 

Hier ein Link zu einem Filmausschnitt: Link

 

Eisenbahnszenen sind zu sehen bei Min. 01.55 - 05.30, 07.20 - 08.40, 11.30 - 12.15 und 13.05 - 14.05. Gut zu erkennen ist der Bahnübergang bei Stellwerk XII.

Link und Infos zum Film von U. Dikenmann

 

Weitere Gleispläne von Zürich PB / RB finden sich auf dieser Homepage unter Gleispläne SBB:

1936 Link

1946 Link

1966 Link