Die Station Convers exisitiert heute nicht mehr, die Züge fahren ohne Halt durch. Es gab dort mal eine richtige Station mit Vorstand, Güterschuppen, Rampe, Stellwerk und Kreuzungsgleis. Im 19. Jahrhundert war Convers sogar ein Abzweigbahnhof.

 

Was die Station speziell machte, war die extrem beengte Lage zwischen zwei Tunnels. Dabei handelt es sich nicht um kurze Durchstiche, sondern um grosse Bauwerke. Der kürzere "Tunnel Mont Sagne" misst 1354m. Dieser Tunnel ist gerade, so dass ein Durchblick möglich ist. Der längere "Tunnel des Loges" Seite Neuchâtel ist 3259m lang und war bei der Eröffnung im Jahr 1860 der längste Tunnel der Schweiz. Er hat auf beiden Seiten Kurven, so dass keine Durchsicht möglich ist.

 

Ich war als Kind auf einem Sonntagsausflug mit dem Auto in Convers. Meine Eltern, obwohl Nichteisenbahner, haben das "Statiönli zwischen den Tunnels" gekannt. Das war etwa so um 1970. Ich erinnere mich, dass noch ein Haus jenseits der Gleise stand.

 

 

 

 

 

Foto aus der Zeit, als die Strecke von der JN (Jura Neuchâtelois) betrieben wurde (1900-1913)

 

Chronologie

 

1859 Streckeneröffnung La Chaux-de-Fonds - Convers (27.11.1859)

1860 Streckeneröffnung Les Hauts-Geneveys - Convers (15.07.1860)

1874 Streckeneröffnung Biel - Convers (30.04.1874)

1888 Streckeneröffnung Le Creux - La Chaux-de-Fonds, Betriebseinstellung Le Creux - Convers (17.12.1888)

1898 Stellwerk Bruchsal 3 Kurbel

1931 Elektrifizierung Neuchâtel Vauseyon - Le Locle Col-des-Roches (04.10.1931)

1949 Inbetriebnahme Stellwerk Schalter Integra (29.09.1949)

1971 Station unbesetzt und durchgeschaltet (23.05.1971)

197?  Kreuzungsgleis abgebaut

1981 Ausfahrsignale abgebaut

1995 Haltestelle aufgehoben, zusammen mit Le Creux

2000 Die letzte Weiche 2 und die restlichen Nebengleise verschwinden

 

Auch Aufnahmegebäude, Güterschuppen und Rampe verschwinden nach und nach. Das Restaurant schliesst Ende April 1988 und wird im Februar 1989 abgebrochen.

 

Eine weitere Foto aus der Zeit vor der Übernahme der JN durch die SBB (1913). Das grosse Gebäude ist das Restaurant.

 

 

 

Stellwerksplan Stand 25.05.1959

  • Die Station ist signalmässig voll ausgerüstet. Sämtliche Signale, also auch die Ausfahrsignale, sind Tunnelsignale!
  • Aus den Stumpengleisen 3/4/6 sind Ausfahrten nach Les Hauts-Geneveys möglich
  • Die Einfahrsignale sind über 500m von den Einfahrweichen entfernt. Das ist eher viel, normalerweise sind das etwa 300m. Über die Gründe kann ich nur spekulieren. Eventuell wollte man verhindern, dass Manöver in jedem Fall durch die Signale gedeckt sind. Rangierbewegungen auf die Strecke in den langen Tunnels wären ziemlich heikel, obwohl reglementarisch möglich
  • S1 und S3 in den Tunnels = "Sonnerie", also Bestätigungshupen oder Klingeln für Rangierfahrten. Wenn z.B. ein Manöver Gleis 1  - Gleis 4 ausgeführt wurde konnte man mit 4x hupen/klingeln die Zustimmung für die Fahrt aus dem Tunnel nach Gleis 4 erteilen. In Zeiten ohne Rangierfunk waren solche Einrichtungen eine grosse Erleichterung
  • Schalter "C ex" (ganz links) = "Exclusion", also Durchschaltung des Stellwerks . Alle Signale auf grün während der Nichtbesetzung
  • Streckenblock gibt es noch nicht   

 

Auch in den SBB-Nachrichtenblätter wurde mehrmals über die kleine Station im fernen Neuenburger Jura berichtet:

Ausgabe 2/1941. Während des 2. Weltkriegs benötigten die veröffentlichten Fotos eine Bewilligung

 

Titelbild des Nachritenblatt 3/1953. Convers ist auch die Scheitelstation der Strecke Neuchâtel - La Chaux-de-Fonds und liegt auf 1047m über Meereshöhe!

 

Im SBB-Nachrichtenblatt 8/1960 erscheint die Station erneut prominent auf der Titelseite. Zusätzlich ist ein zweiseitiger Bericht im Heft enthalten inklusive Stationsvorstand, der dauernd mit einem Bein in einem Tunnel steht...

 

Weitere Fotos sind im Buch "Bahnen im Jura" von Franz Marti und Walter Trüb, Orell Füssli Verlag 1971 erschienen:

Die Tunnels der Strecke Neuchâtel - La Chaux-de-Fonds haben ein birnenförmiges Profil. In Convers kommt das nicht zur Geltung, da das frühere Kreuzungsgleis ein Stück weit in die beiden Tunnels führte. Auf der oberen Foto sind die unterschiedlichen Tunnelprofile hingegen schön ersichtlich. Der Zug fährt von La Chaux-de-Fonds Richtung Convers.

 

 

Nachfolgend drei Fotos von O. Wileczelek vom 25.02.1990

In der Bildmitte das Dienstgebäude, im Hintergrund Gütergleise mit Rampe und Schuppen. Auf der Fläche links stand das Restaurants.

 

Diese Foto konnte legal gemacht werden, da der Perron ein Stück weit in den Tunnel Mont Sagne führte. Das rautenförmige Signal ist ein Bedarfshaltsignal, mit dem einsteigewillige Reisende die Züge anhalten konnten.

 

Die BLS verkehrte in verschiedenen Fahrplanperidoden mit direkten Zügen Bern - Neuchâtel - La Chaux-de-Fonds über die Strecke.

Am Dienstgebäude ist unter der Tafel "Convers" und dem Fahrplan die Taste zu erkennen, mit der das Bedarfshaltsignal zum Leuchten gebracht werden konnte.

 

Heute wird die Umgebung von Strassenbauten geprägt. Foto O. Wilezcelek vom 02.08.2012