Arnegg

Arnegg war die letzte Zwischenstation, an der es noch ein Klappscheiben-Vorsignal gab. Nur die Signale in Romanshorn waren noch länger in Betrieb. Auch sonst bot die Station bis in die 90er Jahre ein idyllisches Bild. Ich war zweimal dort, um Fotos zu machen. Dazu weitere Fotos, die ich freundlicherweise erhalten habe, ein paar Ausschnitte aus anderen Publikationen sowie ein SW-Plan inkl. dazugehöriges Zirkular.

Aufnahmegebäude mit dem Freiluftstellwerk. Rechts von der Eingangstüre befinden sich zwei Barrierenkurbeln. Foto vom Dezember 1989

 

Stellwerk Jüdel, Inbetriebnahme 1909. Das Einfahrsignal und das Vorsignal Seite Gossau sind Lichtsignale, die anderen 3 Hauptsignale sind einflüglige Samphore. Und dazu noch das mechanische Vorsignal Seite Hauptwil - Sulgen. Foto August 1983

 

Das AG aus anderer Perspektive.

Foto Thomas Grell, 16. Juli 1996

 

Eien weitere schöne Aufnahme von Station, Stellwerk und Stationsbeamten. Bemerkenswert sind die vielen "Zutaten", die damals auf den Stationen anzutreffen waren. Von links nach rechts sind zu erkennen:

  • "Nigg"-Fahrplan. Der goldfarbene Rahmen konnte auf der Seite geöffnet werden, um beim Fahrplanwechsel die Zeiten anzupassen. Auf allen Stationen war dazu ein Setzkasten mit einem Vorrat an Ziffern und Zeichen vorhanden
  • Briefkasten
  • Türe mit der Aufschrift "Zu den Schaltern", immerhin mit topmodernen Piktogrammen
  • Die beiden roten Holzbalken links hinter dem Stellwerk sind Weichenkeile. Diese durften damals noch durch das Stationspersonal angebracht werden, um eine defekte Weiche zu befahren
  • Auf dem Stellwerk gelbe und rote Warnschilder, die bei ausgeschalteten Fahrleitungen oder gesperrten Gleisen an den Hebeln angebracht werden
  • Unter dem Stellwerk ein Podest. evtl. um defekte Glühbirnen an der Gleistafel hinter dem Stellwerk zu wechseln
  • Die gelbe Stange mit dem roten Griff rechts hinter dem Stellwerk ist vermutlich ein Bremsstab
  • Rechts neben der Türe ein Befehlsstab ("Kelle") und daneben Schalter für  die Abläutesignale
  • Auf dem Tritt vor der Türe zum Stationsbüre eine Eisen, um den Dreck von verschmutzen Schuhen abzustreifen. Bei den heutigen Büros eher ungebräuchlich...
  • Um die Ecke eine der beiden Stationsglocken, daneben eine Barrierenkurbel

Die Signale D und B sind auf Fahrt und der Beamte geht vermutlich zum Befehlsstab, um danach den Zug in Richtung Sulgen abzufertigen.

 

Die vorangehende Foto von Thomas Grell zeigt die Ansicht "um die Ecke herum. Dort lassen sich weitere typische Utensilien einer Landstation erkennen: Gepflegtes Blumenbeet mit Spritzkanne und Brünnlein, Sitzbänke, Snackautomat, Handwagen für Gepäck und Post.

Das Stationsgebäude von Arnegg hat übrigens bis heute überlebt, schön renoviert und befreit von allem "Beigemüse".

 

Foto Yvan Baugertner, Sammlung O. Wileczelek

 

Plan der Sicherungsanlage Stand 14.12.1965

 

Sammlung O. Wileczelek

Das zugehörige Z 64/65 vom 14.12.1965

 

Sammlung O. Wileczelek

 

  • Vermerk "Jüdel 1908 (v. Erlen)" auf dem Plan. Das Stellwerk wurde somit nach dem Doppelspurausbau im Thurtal als Occasion in Arnegg weiterverwendet. Das bestätigt auch die entsprechende Vermutung im Buch Wägli ("Hebel, Riegel, Signale" Seite 245) 
  • Das Stellwerk war bis zuletzt im Freien aufgestellt, nur geschützt von einem kleinen Vordach. Man kann sich nur vorstellen, wie unangenehm das Arbeiten früher gewesen sein muss. Die Hebel  waren ursprünglich nicht mit einem schützenden Plastiküberzug versehen. Der Bediener musste also das blanke Eisen anfassen. Im Winter bei Minustemparaturen keine schöne Vorstellung
  • Wie bei solchen Anlagen üblich sind die Barrieren nicht in die Sicherungsanlage eingebunden. Auch im Zirkular sind sie nicht erwähnt. Einziger Hinweis ist der Vermerk "Barr. - W" (für Barrieren-Winden) im SW-Plan
  • Weichen 2 und 3 sind Handweichen, die mit einem Hebel verriegelt werden
  • Weiche 7 ist ebenfalls eine Handweiche, aber nicht im Stellwerk eingebunden. Es gibt eine Zungenverriegelung, wenn sie gegen die Spitze befahren wird, also bei Einfahrten von Gossau her. Die Verreigelung erfolgt vermutlich über den Signaldraht von Signal D
  • Bei Ausfahrten aus Gleis 1 oder 2 sind Weichen 2/3 bzw. 4/5 nicht verschlossen. Der Grund ist, dass nur ein Hebel für beide Gleise vorhanden ist
  • Bemerkenswert ist, dass die vorliegende Instruktion jene aus dem Jahr 1909 ersetzt. In den 56 Jahren seit der Inbetriebnahme wurde am Stellwerk und den Aussenanlagen also nichts wesentliches verändert 

Ausfahrsignal C Richtung Gossau. Dezember 1989

 

Zweimal Ausfahrsignal B Richtung Sulgen. Oben Dezember 1989, unten August 1983.

 

Ein Güterzug mit Re 4/4 I nähert sich der Station aus Richtung Sulgen. Dezember 1989

 

 

Zweimal Einfahrsignal A aus Richtung Hauptwil - Sulgen. Dezember 1989 bzw. August 1983

 

Vorsignal A*. Dezember 1989

 

Dreimal Vorsignal A*. August 1983

 

Vorsignal A* von der Rückseite. Auch hier ist eine Re 4/4 I mit einem Güterzug unterwegs. Wegen der beiden Eisenbrücken in Sitterdorf und im Sorntal durften hier keine schweren Lokomotiven fahren. Deshalb kamen ausschliesslich Re 4/4 I oder Triebwagen zum Einsatz.  Fotos Thomas Grell, 16. Juli 1996

 

Die Aufnahme der Station Arnegg wurde vom benachbarten Siloturm aus gemacht. Dazu eine Beschreibung Stand 1976. Beide Dokumente stammen aus dem  Heft "100 Jahre Bischofszeller-Bahn (Sulgen - Gossau) 1876 - 1976"

 

Ein längerer Artikel aus dem "Eisenbahner" (Zeitung der Eisenbahn-Gewerkschaft SEV) vom 14. November 1991. Auf der Foto oben rechts ist nochmals Signal B zu erkennen.

Interessant ist der Abscnitt "Nostalgie pur: Station Arnegg. Die Billette wurden ursprünglich vom Treppenhausfenster der Vorstandswohnung aus verkauft. Zusätzlich wird beschrieben, dass das Stellwerk ursprünglich in Erlen aufgestellt war. Im Buch "Hebel, Riegel und Signale" von H.G. Wägli findet sich ebenfalls ein Hinweis darauf, dass das Stellwerk schon im Thurtal aufgestellt war, bevor es nach Arnegg kam.

 

Nicht gekennzeichnete Fotos und Zeitungsausschnitte aus Sammlung S. Niklaus