Spiez BLS

Wie bei anderen grösseren Bahnhöfen nur ein paar Pläne und Informationen zu Spiez. Die lückenlose Entwicklung der Gleisanlagen und Stellwerke würde den Rahmen dieser Homepage und meine Kapazitäten weit übersteigen. Über die Geschichte der BLS und des Spiezer Bahnhofs gibt es zudem schon sehr viel Literatur.

Von 1993 - 2002 habe ich hier als Fahrdienstleiter gearbeitet. Leider habe ich damals keine Fotos gemacht. Deshalb ein paar neuere Aufnahmen sowie ein Erinnerungen, die mir noch geblieben sind.

 

 

Plan aus "Die Druckluft-Stellwerkanlage des Bahnhofes Spiez", Schweizerische Bauzeitung 1916:  Link Link

 

Druckluft-Stellwerkanlage. Die Signale und Weichen werden nicht elektrisch oder mechanisch, sondern mit Druckluft betätigt. Es blieb die einzige derartige Anlage in der Schweiz. In Betrieb 1914 - 1959.

  • Alle Hauptsignale sind zweiflüglig
  • Schreibweise Zweisimen (m mit Überstrich statt mm)
  • L.A. (=Lokomotivanschluss für Druckluft) bei Stellwerk I. Damit konnte bei Bedarf eine Lokoomotive angeschlossen werden, um die notwendige Druckluft für den Betrieb der Anlage zu erzeugen
  • Ausfahrsignal C 1/2 für Ausfahrten ab den Gütergleisen
  • Die einzelnen Stellwerkbezirke sind mit unterschiedlichen Strichen dargestellt. In der Güteranlage gibt es einen grossen Handweichenbezirk 
  • Innere Einfahrsignale D 1/2 aus Richtung Thun und E 1/2 aus Richtung Zweisimmen
  • Kurze Stumpengleise an den Kopfseiten von Perron 3 (Seite Zweisimmen) und Perron 2 (Seite Interlaken)
  • Kurzes Kopfgleis an Perron 3 für Züge von / nach Zweisimmen
  • Wiederholungssignal F 1/2a für Gleis 2 unter dem Perrondach
  • Eine weitere Anschlussstelle L.A. für Lokomotiven beim Depot

 

 

Betreffend dem Gleisplan fällt mir auf, dass an der gekennzeichneten Stelle gleich 4 Nebengleise aus dem Handweichenbezirk in ein Hauptgleis münden. Hier in Gleis 1, also in das durchgehende Gleis Bern - Interlaken. Normalerweise wird eine solche Anordnung möglichst vermieden.

 

 

Plan Sammlung S. Niklaus

 

Undatierter Plan "Sw 50'052" des Stellwerk Domino 55 mit Zwergsignalen von 1959. 

 

Gegenüber dem vorangehenden Plan wurde relativ wenig verändert:

  • Vom Ausfahrgleis Richtung Zweisimmen kann nun auch im Vorbahnhof von / nach Thun gewechselt werden (Weichenverbindung 8a - 9)
  • Wärterstellwerk in der Nähe des früheren Stellwerk II
  • Von der Güteranlage münden nur noch 2 statt 4 Gleise ins Hauptgleis Bern - Interlaken
  • Die kurzen Stumpengleise an den Perrons 3 und 2 sind verschwunden
  • Zwei zusätzliche Gleise A12 und A13 auf der Südseite
  • Anstelle des Stellwerk III zusätzliche Gleise in der Gruppe D
  • Wesentliche Erweiterung des Depots. Es gibt nun 3 Verbindungen (M1, M2 und M3) vom Bahnhof ins Depotgelände. Von Gleisen A1 und A2 kommt man nicht ins Gleis M3.

 

Eine grosse Besonderheit ist die Lage der Zwergsignale: Normalerweise stehen diese immer auf der linken Seite. In Spiez hingegen sind sie in beiden Richtungen Seite Niesen aufgestellt, also in Fahrrichtung Thun - Interlaken / Brig rechts. Diese Signale sind somit alle mit einem Richtungspfeil ausgerüstet.

Der Grund für diese ungewöhnliche Aufstellung ist, dass "Seite Niesen" als Manöverseite deklariert war. Wenn Wagen oder Züge manövriert werden, hält sich der Rangierarbeiter immer Seite Niesen auf und die Signale an den Lokführer werden auf dieser Seite erteilt. 

 

Auf dem Plan sind auch die Bezeichnungen der Gleisisolierungen eingetragen.

 

 

Plan Sammlung S. Niklaus

 

Undatierter Plan "Sw 50'052a". Dieser Plan liegt der "ADM 1/68 Instruktion über die Sicherungsanlage des Bahnhofs Spiez" vom 1. Februar 1968 bei. Gegenüber dem vorangehenden Plan "Sw 50'052" wurde die Ausfahrt Seite Heustrich verändert.

 

 

 

Plan Sammlung S. Niklaus

 

Plan des Stellwerk Domino 67, Inbetriebnahme 1997. Der Plan zeigt den Stand im Jahr 2015. Mit der neuen Stellwerkanlage wurde auch die Gleisanlage komplett umgebaut. Alle Weichen wurden neu eingebaut.

 

Auch hierzu ein paar Bemerkungen:

 

Die meisten Hauptsignale sind BLS-typisch mit Hilfssignalen ausgerüstet (diagonaler Strich unterhalb des Signals). Im Gegensatz zur Praxis der SBB wurde das Stellwerk ohne Block- oder Isolierumgehungen eingerichtet. Bei den inneren Einfahrsignalen sind zusätzlich Besetztsignale vorhanden (waagrechter Strich).

 

Die Zwergsignale stehen nun wie üblich in beiden Fahrrichtungen auf der linken Seite. Eine Ausnahme ist Signal 344A in Gleis 344 (beim "DG" = Dienstgebäude).

 

Doppelte Weichenverbindung zwischen Gleisen 15 - 35 / 16 - 36. Diese Verbindung dient quasi als Ersatz des früheren kurzen Kopfgleis A6 / A7. So können in Gleis 5 zwei Regionalzüge hintereinander aufgestellt werden. Es gab damals noch Regionalzüge Spiez - Thun, während die heute übliche Flügelung noch nicht praktiziert wurde.

 

Im Gegensatz zur Anlage von 1959 sind wieder Gruppensignale aufgestellt, also Signale, welche für mehrere Gleise gültig sind. Hier sind es Signale G561 Richtung Thun sowie M836 Richtung Frutigen. Gerade Signal G561 ist relativ heikel, da es für 4 häufig befahrene Gleise gilt (571 - 574). Zwar müssen die Lokführer auf die Zwergsignale achten, trotzdem ist es an dieser Stelle zu gefährlichen Situationen gekommen. 

 

Die Weichenverbindung 707 / 708 ist eigentlich überflüssig und war in den ersten Projekten nicht vorgesehen. Damit können Transitgüterzüge den Bahnhof mit V/max 65km/h durch das perronlose Gleis 6 durchfahren. In der Folge hat sich der Begriff "Europaweichen" eingebürgert. Es war sogar eine Durchfahrgeschwindigkeit von 80km/h im Gespräch. Wegen der erhöhten Lärmbelästigung für die Anwohner wurde aber darauf verzichtet.  

 

Für den umgebauten Bahnhof war auch ein elektronisches Stellwerk im Gespräch, schliesslich hat man sich für ein bewährtes Domino 67 entschieden. Zugfahrstrassen können über alle möglichen Fahrwege eingestellt werden, auch über eher absurde (z.B. Ausfahrt aus Gleis 35 Richtung Brig via Weichen 702 - 703 - 713 - 714 - 715 - 803 - 804 - 772). Den Rekord hält Signal N775 (beim Depot). Es wurde mal eine genaue Zahl genannt, ich erinnere mich aber nicht mehr daran. Es sind aber mehrere Dutzend mögliche Fahrstrassen. Wenn ich richtig gezählt habe, kann alleine Gleis 572 von dort über 8 verschiedene Wege erreicht werden.

 

Auch bei den Signalen wurde auf Bewährtes zurückgegriffen, indem Signale System L aufgestellt wurden, obwohl das System N damals schon in Gebrauch war. Eine Analyse hatte ergeben, dass mit dem System L eine feinere Geschwindigkeitsabstufung ereicht wird.


Die geplante 3.Schiene Zweisimmen – Interlaken wäre via Gleise 461 - 1 - 671 geführt worden. Es hätte einen Weg ohne doppelte Kreuzungsweichen gebraucht. So hätte man nur DKW 602 und 606 durch einfache Weichen ersetzen müssen.

 

Die Stumpengleise 608 und 609 werden häufig zum Abstellen von Lokomotiven gebraucht. Sie sind als «Mirgrosstumpen» bekannt, da sich in unmittelbarer Nähe ein Supermarkt der Migros befindet. Für hungrige Lokführer ist das sehr praktisch…   

 

Beim Bau der Anlage mussten noch Weichen eingespart werden, da eine Kostenüberschreitung drohte. An folgende nicht gebaute Verbindungen kann ich mich erinnern (es waren noch mehr):

  • Gleis 531 – Gleis 530 Seite Thun/Zweisimmen. Gleis 531 ist somit nur ein Stumpengleis, statt dass Ein– und Ausfahrten von/nach Thun/Zweisimmen möglich wären (2 Weichen).
  • Gleis 462/12 – Gleis 11/1. Wenn man von Zweisimmen in Gleis 1 einfahren will, muss man bereits im Vorbahnhof auf Gleis 461 wechseln. Bei der inneren Einfahrt, also ab Gleis 462 kommt man nicht mehr in Gleis 11. Für diese Verbindung wären wohl die Nummern 435 und 436 vorgesehen gewesen.

 

 

 

Foto S. Niklaus 19.10.2023

 

Zwergsignal 344A. Da es auf der rechten Seite steht, ist es mit einem Hinweispfeil versehen.

 

Foto S. Niklaus 01.06.2010

 

Ein Transitgüterzug Frankreich - Italien muss in Gleis 461 die Ausfahrt des IC aus Gleis 2 abwarten. Lokführer Kurt M. nutzt den Halt für einen kurzen Schwatz. Auf dem oberen Bild zeigt Signal E 462 den Fahrbegriff 3 (zweimal grün = V/max 65 km/h), weil das nachfolgende Signal noch auf Halt steht (Vorsignal im Hintergrund). Beim unteren Bild ist das Vorsignal auf Fahrt und Signal E 462 zeigt nun Fahrbegiff 1 (= Streckengeschwindigkeit).

 

 

Foto S. Niklaus 31.03.2020

 

Ein Transitzug SBB-Cargo mit zwei neu glänzenden Vectron fährt aus Gleis 15 Richtung Thun aus

 

 

Foto S. Niklaus 06.10.2020

 

Signal H15 zeigt Fahrbegriff 6 und zusätzlich das Besetztsignal. Der Zug aus Zweisimmen (rechts) ist schon eingefahren und hat an den Zug aus Brig (hinten) angekuppelt, das Signal steht aber noch auf Fahrt. In dieser Situation muss es vom Fahrdienstleiter mit einer zusätzlichen Bedienung auf Halt gestellt werden. Die vereinigten Züge verkehren um 09.50 Uhr weiter als Regionalexpress nach Bern.

 

 

Plan Sammlung S. Niklaus

 

Plan Stellwerk Domino 67, Stand 2018.

 

Die Anlage wurde ausgebaut, um lange Transitzüge aufzunehmen. Im Vorbahnhof Seite Thun wurden zusätzliche Weichen und Signale eingebaut. Die ursprünglich gestrichene Verbindung Gleis 531 – Gleis 530 wurde nun nachgebaut (Weichen 502 und 503), Gleis 531 kann für Zugfahrten genutzt werden. Die Verbindung Gleis 462/12 – 11/1 gibt es jedoch weiterhin nicht. Auch eine dritte Schiene Zweisimmen - Interlaken ist endgültig kein Thema mehr.

 

Die doppelte Verbindung zwischen Gleisen 15 – 35 / 16 – 36 wurde ausgebaut, Signale H15 und J35 sind hingegen noch vorhanden. In der Zwischenzeit wurden auch diese Signale entfernt.

 

Im Bereich der Gleise 571 – 574 wurden nun Gleissignale aufgestellt.

 

Zusätzliche Weichenverbindung Gleis 574 - 575, dadurch neue Gleise 584 und 585. Hier werden häufig Lokomotiven abgestellt.

 

 

Foto S. Niklaus 12.12.2021

 

Gleis 15 / 35. Die doppelte Weichenverbindung in Gleis 16 /36 ist ausgebaut, aber das Fahrleitungskreuz ist noch vorhanden. Auch die ursprünglichen Zwergsignale gibt es noch. Sowohl Zwergsignal 35B (Leuchtpfeil auf Rückseite) wie Signal 16A sind auf Fahrt. Deshalb fahren kurz danach...

 

 

...dieser Transitgüterzug von Norden in Gleis 16 / 36 und anschliessend...

 

...der Regionalexpress von Süden in Gleis 35 / 15 ein.

 

Foto S. Niklaus 30.12.2022

 

In Gleis 2 gab es einen Fahrtstellungsmelder (gelber Leuchtpfeil), weil das Ausfahrsignal G12 wegen dem Perrondach schlecht sichtbar ist. Kürzlich wurde der Melder durch ein Wiederholungssignal ersetzt. Die Aufnahme zeigt die Situation mit dem bereits montierten, aber noch durchgekreuzten Signal G12**. Bemerkenswert ist, dass es bereits beim pneumatischen Stellwerk von 1914 an dieser Stelle ein Wiederholungssignal gab (siehe oben).

 

 

Fotos S. Niklaus 15.01.2016

 

Zum Abschluss eine Foto aus dem Winter 2015/2016, als die damals wohl schönste schweizerische Lokomotive den Bahnhof besuchte: Die 487 001 von SRT in Gleis 572 bzw 582. In Gleis 581 sind zwei BLS-Lokomotiven zu sehen, während daneben ein Transitgüterzug Süd-Nord auf die Weiterfahrt wartet. Die kurzen Gleise 581 und 582 werden gerne zum Abstellen von Lokomotiven genutzt. Gleis 574 ist schneefrei gebleiben, weil dort über Nacht Fahrzeuge abgestellt waren.

Die 487 001 verkehrte leider nur kurze Zeit in dieser attraktiven Farbgebung.