Gampelen

Gemäss dem Buch Hebel, Riegel und Signale von Hans G. Wägli war diese Station mit einem Stellwerk der Bauart Bruchsal H ausgerüstet. Als Bruchsal H werden modifizierte Stellwerke Bruchsal G bezeichnet, deren Merkmal ein hochliegender Kasten mit den Fahrstrassenhebeln ist. Diese Hebel lassen sich nach oben oder unten bewegen. Ein solches Stellwerk Bruchsal H war in Müntschemier aufgestellt: Link

 

Gemäss dem Buch Wägli gab schweizweit es nur 6 solche Stellwerke:

  • Daillens 1892 (1912 nach Wiedikon versetzt, 1927 nach Schwarzenbach SG)
  • Glovelier 1896
  • Frick 1896 (1936 in Hinwil neu aufgestellt)
  • Cham 1896
  • Gampelen 1928
  • Müntschemier 1928

Ein Nutzer der Homepage, Bernhard Graser hat die Apparate auf der früheren BN (Bern - Neuenburg Bahn) noch in Betrieb erlebt. Gemäss seinen Erinnerungen war in Gampelen wie auf den anderen Stationen der Strecke (ausser Müntschemier) ein Bruchsal G mit 6 Kurbeln für die Signale aufgestellt.

 

Via den pensionierten BLS-Mitarbeiter Kurth Bürki, welcher mir bereits Fotos von Müntschemier zur Verfügung gestellt hat, konnte ich tatsächlich eine Foto von Gampelen auftreiben, welche die Angaben von B. Graser bestätigen:

Foto Markus Ineichen, Sammlung Kurth Bürki

 

Bemerkenswert ist nebst dem Stellwerk auch die zeitgenössische Umgebung: Nigg-Fahrplan, Geranienschmuck, Läutewerk, Briefkasten, Kinderwagen, Deckungssignal und Befehlsstab.

 

 

Es gab aber tatsächlich ein 6. Stellwerk Bruchsal H und zwar in Sion. Auch hier konnte B. Graser den entsprechenden Tip aufgrund eines Artikels im SBB-Nachrichtenblatt liefern:

SBB Nachrichtenblatt 1/61 Sammlung S. Niklaus

 

Von Oliver Wileczelek gab es einen Stellwerksplan Sion. Die obenliegenden Fahrstrassenhebel sind gut zu erkennen.

Plan Sammlung O. Wileczelek

 

Die Erklärung, wie es zu der Verwirrung mit Bruchsal G / Bruchsal H gekommen ist, liefert schliesslich der Stellwerkspezialist Thomas Ströhla, Lörrach:

 

"Gampelen ist klar ein Apparat der badischen Bauart H, die in der Schweiz unter der Bezeichnung G firmiert. Die Fahrstrassenhebel der badischen Bauart H liegen oberhalb der Signalkurbeln, aber nicht so weit oben wie bei der schweizerischen Bauart H. Auf den Naben der Fahrstrassenhebel der badischen Bauart H befinden sich die Kurbelzeiger der Signalkurbeln, die deutlich zu sehen sind. Die auf den Naben der Fahrstrassenhebel liegenden Kurbelzeiger zeigen die Fahrtstellung der gekurbelten Signale: Zeiger nach links oder rechts. Haltestellung der Signale: Zeiger auf 12h. Man darf die badische Bauart H nicht mit der schweizerischen Bauart H verwechseln. Letztere gab es in Cham und Hinwil. Diese schweizerische Bauart ist recht selten in der Schweiz. In Deutschland ist sie inexistent. Es dürfte sich bei der schweizerischen Bauart H um eine ureigene Entwicklung der Bruchsal-Dépendance Wallisellen handeln. Die badische Bauart war in Deutschland und Frankreich (Elsass) sehr häufig. Es ist der typische Apparat für Mittelstellwerke."

 

Auf der bekannten Homepage "Alles über Stellwerke" von Holger Kötting Link habe ich in der Stellwerksliste 16 Einträge Bruchsal H gefunden. Dabei ist zu beachten, dass diese Zahl nicht abschliessend ist. Bei vielen mechanischen Stellwerken ist der genaue Typ nicht eingetragen:

Aglasterhausen, Babstadt, Bad Rappenau, Eggingen, Gaildorf West, Hoffenheim, Horheim, Ittlingen, Neckarbischofsheim, Neidenstein, Olsbrücken, Sulzbach, Waibstadt, Wehr, Winnenden, Zuzenhausen

 

Alle diese Bahnhöfe befinden sich im süddeutschen Raum. Einzige Ausnahme ist das in Rheinland-Pfalz liegende Olsbrücken.

 

Auch Bilder von zwei Bahnhöfen finden sich dort. Das Stellwerk in Hoffenheim ist nicht mehr im Originalzustand:

badisches Bruchsal H in Hoffenheim Link

badisches Bruchsal H in Olsbrücken  Link

 

 

Nun bleibt mir nur noch, mich bei den vielen Beteiligten ganz herzlich für die Informationen zu danken: