Genève-Cornavin

Genève-Cornavin ist der Hauptbahnhof von Genève. Offiziell heisst der Bahnhof heute Genève.

Dieser Plan zeigt die Lage vor 1932. Der Bahnhof war extrem klein: Zwei Gleise / Perronkanten V (voie) I und II für die SBB und 3 Gleise / Perronkanten V I, II und III für die französischen Züge der PLM (die SNCF gab es noch nicht). Der ganze Bahnhof ist mit französischen Signalen ausgerüstet. Interessant sind die verschienden farbigen Scheibensignale (gleb, blau, rot und grün) nach französischen Vorschriften.

 

Zu diesem Zeitpunkt waren drei Stellwerke in Betrieb:

Poste I:   Saxby 1897

Poste II:  Saxby 1897

Poste III: Hydraulisches Stellwerk Bauart Bianchi-Servettaz 1891

 

Im Bereich von Poste II wurden die Weichen an Ort und Stelle von Hand bedient. Der Stellwerkwärter musste die richtige Stellung kontrollieren, bevor er ein Signal auf Fahrt stellte.

 

 

Ein Zug aus Richtung Lausanne ist in Gleis 1 angekommen. Im Hintergrund ist Poste II sichtbar.

 

 

Ein weiteres Bild aus der Zeit dem Dampfbetriebs. Ein Zug fährt aus Gleis II Richtung Lausanne aus. Auf der Signalbrücke lassen sich die Scheibensignale  "Disques jaunes" 24-2 und 25-2 erkennen.

 

 

1935 wurde die nördliche Einfahrt verlegt. Grund dafür war die Neugestaltung der Parkanlage vor dem neuen Völkerbundspalast. Im SBB-Nachrichtenblatt 5/1935 ist dazu ein Artikel erschienen, aus dem diese Aufnahme stammt. Gemäss dem Plan "Signaux de la Gare de Genève" dürfte es sich beim Signal um die "Disque bleu 3+4+5 3" handeln. Ungewohnt wirkt die typisch schweizerische Fahrleitung zusammen mit dem fremdartigen Signal.

 Sammlung S. Niklaus

 

Der nächste Plan zeigt den Stand 17. Juni 1947. Die grossen Erweiterungen sind abgeschlossen und es stehen folgende Stellwerke in Betrieb:

 

Poste 3: Jüdel 1932, 27 Kurbeln als Ersatz für das Saxby von 1897

Poste II: Immer noch das Saxby von 1897, 20 Hebel. Das neue Stellwerk 2 ist schon eingezeichnet

Poste 1: VES (1reihig, 16 Felder) 1940 als Ersatz für den abgebrochenen Bianchi-Servettaz-Apparat

 

Die Umnummerierung der Stellwerke (Poste I in Poste 3, Poste II in Poste 2 und Poste III in Poste 1) erfolgte 1945. Zu diesem Zeitpunkt wurden auch die Formsignale des Poste 1 (VES) durch Lichtsignale ersetzt.

Interessant ist, dass auch 1947 der Personenbahnhof noch beidseitig mit SNCF-Signalen ausgerüstet war!

Zu beachten sind auch die verschiedenen Anlagen für den Güterverkehr sowie der runde, vollständig gedeckte Lokschuppen für die PLM / SNCF Lokomotiven.

Ende 1949 wurde dann die Strecke bis zum neuen Güterbahnhof La Praille eröffnet und der Güterverkehr nach und nach dorthin verlagert.

 

Die Rotonde PLM, abgebrochen 1966

Foto JE Seewer

 

Die "Disque rouge 1" bei km 164.690 von der Rückseite

Foto aus dem Buch "Les Chemins de fer en Pays genevois" von Gaston Maison 1979

 

 

Ein sehr interessantes Dokument ist das Zirkular 2 vom 19. Januar 1950, gültig ab dem 25. Januar. Im Bereich des Poste II wurden die französischen Formsignale durch SBB-Lichtsignale ersetzt. Gleichzeitig wurden 7 Zwergsignale aufgestellt. Es handelt sich dabei um die ersten Zwergsignale der Schweiz! Vermutlich wurden diese Signale wie gewöhnliche Rangiersignale geschaltet, ohne grosse Abhängigkeiten. Aussergewöhnlich ist auch die Kombinaiton mechanisches Stellwerk  + Zwergsignale.

 

Am 15.09.1950 wurde noch der automatische Streckenblock mit Gleisstromkreisen Richtung Chambésy in Betrieb genommen.

 

 

Der nächste Plan wurde 1951 erstellt, zeigt aber den Zustand nach Inbetriebnahme des neuen Poste 1. Dieses wurde zwischen dem 13.03. und 16.03.1952 in Betrieb genommen. Zum ersten Mal kamen in der Schweiz gesicherte Rangierfahrten zur Anwendung. Die obenerwähnten Zwergsignale im Bereich von Poste 2 sind auch eingezeichnet.

Links ist die Zufahrt zum neuen Güterbahnhof Genève La Praille eingezeichnet. Diese konnte nur rangiermässig befahren werden, Zugfahrten waren noch nicht möglich.

Die Strecke aus Frankreich ist noch nicht elektrifiziert.

 

 

Das Stellwerk Integra 52 im Poste 1. Die Tasten im Gleisbild können gedrückt und gedreht werden. Für das Einstellen einer Fahrstrasse mussten die Start- und Zieltaste gedrückt. Um danach das Signal auf Fahrt zu stellen, musste die Starttaste gedreht werden. Um das Signal wieder auf Halt zu stellen, musste die Starttaste wieder zurückgedreht werden. Für die Auflösung der Fahrstrasse mussten schliesslich Start- und Zieltaste nochmals gedrückt werden.

In der Dienstvorschrift dieses Stellwerks wird auf 11 Seiten jedes Zwergsignal einzeln mit Lage und Zweck beschrieben.

Das Stellwerk konnte in Randzeiten auch durchgeschaltet werden.

 

 

Die mechanischen Apparate in Poste 2 und 3 bleiben noch bis am 06.10.1956 bzw. 30.09.1956 in Betrieb und werden dann durch ein Drucktastenstellwerk DrS von Siemens ersetzt. Die neuen Poste directeur (Befehlsstellwerk) und Poste 2 befinden sich im gleichen Raum auf dem Perron 3 Seite Lausanne.

Richtung Güterbahnhof La Praille kann nun signalmässig gefahren werden.

Die Strecke von Frankreich ist 1956 mit Gleichstrom elektrifiziert worden, so dass zwei Stromsysteme zusammenkommen. An den Trennstellen sind Systemwechselsignale aufgestellt, zusätzlich gibt es umschaltbare Zonen.

 

 

Der letzte Plan schliesslich zeigt den Zustand 1968 im Bereich von Poste 1.

 

Am 18.05.1986 wurde der ganze Bahnhof in einem Stellwerk SpDrS von Siemens zentralisiert.

 

Alle Pläne und nicht anders gekennzeichneten Fotos von O. Wileczelek, ebenso die Angaben zu den verschieden Stellwerken. Herzlichen Dank!