Zürich HB

Wie üblich kann ich nicht die vollständige Entwicklung der Gleisanlagen und Stellwerke in Zürich HB anbieten, das würde meine Kapazitäten weit übersteigen. Auch kenne ich den Bahnhof und die örtlichen Gegebenheiten nicht näher. Deshalb nur ein paar Pläne und Informationen.

 

Über die ursprünglichen Stellwerke habe ich keine Unterlagen. Im Buch von H.G. Wägli werden diverse Stellwerke Jüdel ab 1885 aufgeführt. Ich gehe davon aus, dass diese nur einen kleinen Teil der Anlage bedient haben, auf zeitgenössischen Fotos sind viele Handweichen auszumachen. Auf dem Gleisplan 1931 sind nur 4 Einfahr - und Ausfahrsignale auszumachen, also je eines pro Strecke. Auf späteren Fotos sind auch Gleissemaphore zu erkennen.

 

Im Jahr 1936 wurde schliesslich eine Stellwerkanlage VES eingerichtet. Die Inbetriebnahme erfolgte am 30. September 1936. Im SBB-Nachrichtenblatt 9/1936 ist dazu dieser Artikel erschienen:

Im Bild auf der 1. Seite unten lassen sich Gleissemaphore erkennen. Die neuen Lichtsignale sind noch nicht in Betrieb.

 

 

Im Artikel steht nichts über die Inbetriebnahme geschrieben. Das liegt wohl daran, dass er bereits zum voraus erschienen ist. Die ersten Stunden der neuen Stellwerkanlage scheinen ziemlich chaotisch verlaufen zu sein, wie aus einem weiteren Artikel hervorgeht. Dieser ist zum 10jährigen Jubiläum der Anlage im Heft 11/1946 erschienen:

Fazit: Auch früher war nicht alles besser...

 

 

Plan Stand 4. Juli 1958. Signale sind nicht eingezeichnet, ausser einem Vorsignal Seite Altstetten und einem  Rangiersignal bei Weiche 62, welche wohl beim Löschen vergessen gingen. Dafür sind die Stellwerkbezirke farblich unterlegt.

Plan Sammlung S. Niklaus (keine Ahnung mehr, wo ich das Ding herhabe...)

 

Stellwerke

  • Stellwerk I ist das Befehlsstellwerk
  • Stellwerk V ein Zustimmungsstellwerk. Für solche Stellwerke ist sonst eher der Begriff Wärterstellwerk üblich. Auf alle Fälle war dieses Stellwerk an den Zugfahrstrassen beteiligt
  • Stellwerke II, III und IV sind Rangierstellwerke, also an Zugfahrstrassen nicht beteiligt. Die Stellwerkbezirke sind recht ungleich verteilt: Stellwerk II bedient nur 10 Weichen, während es beim benachbarten Stellwerk IV über 30 sind
  • Ein weiteres Sellwerk VI und Wärterposten 25, 27 und 51 sind Richtung Depot F / Rangierbahnhof eingezeichnet
  • Die ebenfalls eingezeichneten Stellwerke VII, VIII, IX und X gehören zum Rangierbahnhof (RB)

 

Gleisanlagen (von links nach rechts)

  • Die Hallengleise haben nur Nummern, also nur "1", nicht "A1"
  • Gleis 9 ist perronlos, also ohne Bahnsteig. Dieses Gleis wird von den Güterzügen von/nach Zürich Oerlikon und Zürich Letten genutzt. Von und nach diesen Richtungen kann nicht direkt in den RB ein - und ausgefahren werden
  • Gleis 16 ist kürzer als die anderen Gleise
  • An den Perronenden auf der Westseite befinden sich insgesamt 4 kurze Stumpengleise S1, S3, S9 und S11. Die Nummerierung ist von den zulaufenden Gleisen im Vorbahnhof abgeleitet. Diese kurzen Gleise konnten beispielsweise zum Abstellen von einzelnen Lokomotiven genutzt werden. Die Bezeichnung "S" dürfte für Stumpengeleise stehen
  • Südlich befinden sich 3 Abstellgruppen Q, R und P, geographisch nicht in alphabetischer Reihenfolge. Diese Gleise dienten zum Abstellen von Reisezugwagen
  • Noch weiter südlich sind die Gleisgruppen SP und W. SP könnte für "Sihlpost" stehen und "W" für (Brückenbau)Werkstätte
  • Jenseits der Engstelle an der Brücke über die Langstrasse findet sich eine weitere Abstellgruppe T
  • Nördlich des Vorbahnhofs liegt Gleisgruppe X mit der Eilguthalle. "X" könnte für EXpressgut stehen.
  • Im Bereich von Stellwerk V sind die Gleise mit dem Zusatz "v" für "Vorbahnhof versehen.
  • Posten 25 bedient nur wenige Weichen. Zusätzlich werden von hier die Vorrücksignale für einzuschiebende Güterzüge bedient
  • Nördlich der Einfahrgleise von Altstetten gibt es eine Gleisgruppe A. Weitere Gleisgruppen haben die Bezeichnungen A I und A II. Das deutet darauf hin, dass diese Gruppen erst nachträglich erstellt wurden und die Buchstaben B und C schon besetzt waren. Die Gruppen A, B, C, D, E etc. gehören schon zum RB
  • Nochmals nördlich der Gruppe A findet sich das Dreispitzareal. Ein bekannter Güterbahnhof Dreispitz liegt eigentlich in der Nähe des Basler Hauptbahnhofs, dass es auch in Zürich ein Dreispitzareal gibt, wusste ich nicht
  • Lokremisen F und G. Die Buchstaben stehen für die Standorte an der Feldstrasse bzw. Geroldstrasse.

Ausser den Gleisanlagen sind auf diesem schönen Plan weitere Details zu entdecken. Besonders aufgefallen ist mir die "Post-Untergrundbahn" , welche die Poststelle im Bahnhof mit der Sihlpost verbindet und sogar die Sihl überquert.

 

 

Plan Stand 1. Januar 1950.

Plan Sammlung O. Wileczelek

 

Dieser schöne Plan wurde als Anhang zur Neuausgabe der DV 228 (Dienstvorschrift über die Elektrische Stellwerkanlage auf dem Bahnhof Zürich PB) herausgegeben. Dazu wieder ein paar Betrachtungen von links nach rechts, sofern nicht schon beim vorangehenden Plan vom 4. Juli 1958 enthalten :

 

An den Prellböcken in der Halle sind bei allen Gleisen (1 - 16) Rückstellsignale vorhanden. Zu diesen Signalen siehe Bemerkungen weiter unten

Schwarze Pfeile zeigen an, in welche Gleise ein - und ausgefahren werden kann.