Kradolf

Plan der Sicherungsanlage Domino 55 ohne Zwergsignale von Kradolf. Inbetriebnahme 17.10.1975

 

 

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Dienstvorschrift (DV) 782 vom 15.10.1975 für das Dominostellwerk Kradolf inklusive Fernsteuerung ab Sulgen
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Zum Stellwerk gibt es eine sehr detaillierte Dienstvorschrift (DV). Ein paar Punkte, die mir aufgefallen sind:

  • 2.1 Lagebezeichnung der Weichen. Heute sind links und rechts üblich, jeweils von der Spitze aus gesehen
  • 5.4 Einfahrt in das Rampengleis 1. Gemäss FDR 48.2 musste darauf geachtet werden, dass die Türen der Personenwagen geschlossen waren. Diese wären sonst an der Rampe angestossen und allenfalls abgerissen worden
  • 6.5 Streckenläutewerk. Trotz Dominostellwerk musste noch abgeläutet werden. Im automatischen Betrieb erfolgte das beim Befahren der Ausfahrweiche
  • 9 Ein grosses Kapitel ist die Fernsteuerung von Sulgen
  • 9.9.2 Auch lokale Besonderheiten wie ein "Kirchenzug" werden in der DV erwähnt. Zu diesem Zug siehe weiter unten
  • 10.3.4 Weichen durften damals bei Störungen noch vom Stationspersonal mit Hebeisen umgestellt werden, heute unvorstellbar. Auch das damals übliche Verkeilen von Weichen wird heute nur noch von spezialisiertem Personal der technischen Dienste gemacht

 

Bei Inbetriebnahme des neuen Dominostellwerks wurde ein Zirkular herausgegeben. Die Station gilt als fahrdienstlich nicht besetzt. Zudem wurde ein Barrierenposten aufgehoben.

 

 

Kirchenzug

 

Was es mit diesem in der DV erwähnten Kirchenzug auf sich hat, haben Bernhard Graser und Samuel Rachdi herausgefunden:

 

In den Siebzigerjahren verkehrte gemäß Kursbuch zwischen Sulgen und Kradolf ein Zug nur an Sonntagen Sulgen ab 10.34 Kradolf an 10.37, Ich vermutete schon immer, dass dieser Zug etwas mit Gottesdienst zu tun hatte. Mehr weiß ich nicht. Auch kenne ich nicht mit, wie dieser Zig formiert war. Auf Grund der Stellwerkbeschreibung kommt nur ein Pendelzug in Frage . In Frage käme nur ein Pendelzug der leer von Weinfelden zugeführt und dann leer von Kradolf wieder nach Weifenden zurückgekehrt wäre.

 

Bernhard Graser

 

 

Habe inzwischen nach Herumfragen usw. eine Erklärung für den sonntäglichen Zug Kradolf - Sulgen gefunden, die sich auch weitgehend mit der Aussage von Bernhard Graser deckt. Seit den 1960er Jahren hat
Sulgen eine katholische Kirche. In dieser Zeit nahm auch die Bevölkerung (in- und ausländische) zu, da immer mehr bei den Migros Betrieben in Bischofszell arbeiteten. Da Kradolf zur Munizipalgemeinde Sulgen gehörte,   war die Ausrichtung der Einwohner von Kradolf auf Sulgen normal. Anhand des Fahrplanes Sommer 1975

kann ich demonstrieren wie dies lief: Die Kirchgänger nahmen Zug 3624 Bischofszell - Weinfelden bis Sulgen,

an 08.50, das reichte um zur Kirche zu gehen. Zug 3630 St. Gallen - Weinfelden kam in Weinfleden um 09.59 an. Hinter Zug 3727 Winterthur - Romanshorn fand eine Leerfahrt dieser Komposition nach Sulgen statt, da die Strecke eh 30 Min. frei war.
Damit wurde der Sonntagszug 3631 ab Sulgen 10.32, an in Kradolf 10.35 gefahren
Etwa 10.40 fuhr die Komposition nach Sulgen zurück, von dort ca. 10.50 (hinter Zug 3730) nach Weinfelden

um dort Zug 3635 Weinfelden ab 11.17 nach St. Gallen zu fahren.
Es waren immer Triebwagenkompositionen, da wegen den Brücken bei Hauptwil die Achslast dieser ohnehin sehr eingeschränkt war.

Samuel Rachdi

 

Herzlichen Dank an Bernhard und Samuel für diese Recherchen!

 

Alle Pläne und DV: Sammlung Peter Steinemann

Ausschnitt Kursbuch Sommer 1974: Sammlung S. Niklaus