"Planbeilage zur Stellwerkinstruktion" und die dazugehörige Verschlusstabelle des Stellwerk Ins aus dem Jahr 1928. Die Stellwerkinstruktion besitze ich leider nicht. Auch ist beim Kopieren die Verschlusstabelle rechts leicht abgeschnitten worden.

Die Pläne stammen aus dem Staatsarchiv Bern

 

 

In Ins kommen folgende Strecken zusammen:

 

Bern - Neuchâtel:        Normalspur, eröffnet 1901 durch die BN, heute BLS

Fribourg - Ins:              Normalspur, eröffnet 1903 durch die FMA, später GFM, heute tpf

Biel - Täuffelen - Ins:  Schmalspur, eröffnet 1916 durch die SLB, später BTI, OSST und heute asm

 

Ein solches Zusammentreffen dreier Privatbahnen ohne SBB-Strecke gibt es meines Wissens sonst schweizweit nirgends.

 

  • Ausgerüstet war die Station mit einem Stellwerk Bruchsal G aus dem Jahr 1901. Die Schmalspurbahn war nicht ins Stellwerk integriert.
  • Einfahrsignale = Klappscheiben, Ausfahrsignale = einflüglige Semaphore
  • Seite Müntschemier und Gampelen gab es zusätzliche Durchfahrsignale, was zu den bekannten zwei Scheibensignalen führte. Diese Kombination gab es nur auf der BN
  • Bei der BN gab es ebenfalls Vorsignale, nicht jedoch Seite Sugiez
  • Ein - und Ausfahrten der BN in / aus Gleisen III und IV, bei der FMA in / aus Gleisen II und III. In und aus Gleis 1 sind keine Fahrstrassen möglich
  • Es sind nur die wichtigsten Weichen ins Stellwerk integriert. Weichen 5a/6 und 11 sind Handweichen, die mit einem Riegelhebel verriegelt werden. Weichen 2, 7 und 8 sind Handweichen ohne Verriegelung, da sie nicht von Zugfahrstrassen berührt werden. Weiche 51, die zur Remise der FMA führt, ist mit einem Schloss gesichert
  • Weiche 9 ist mit zwei Gleissperren in Gleisen 1/II bzw. 6 gekoppelt
  • Gleis 6 führt zur Rollschemelgrube der SLB. Diese Anlage besteht in geänderter Form bis heute und dient der Übergabe von Schmalspurfahrzeugen. Am anderen Streckenende in Biel gibt es heute keine Verbindung zur SBB mehr
  • Seite Gampelen gibt es eine Barriere, welche wie damals üblich nicht ins Stellwerk integriert war. Auch diesen Übergang gibt es heute noch
  • An "Beigemüse" sind eine Brückenwaage und ein Wasserkran zwischen Gleisen III und IV auszumachen. Die FMA fuhr von Anfang an elektrisch. Auf der freien Strecke war eine seitliche Stromschiene montiert, in den Bahnhöfen hingegen eine Fahrleitung
  • Interessant ist auch die metergenaue Angabe der Signaldistanzen. Signal D ist z.B. einen Meter weiter vom AG entfernt als Signal C

 

Ich war im Jahr 1981 während dreier Monaten als Stationslehrling an den Bahnhof Ins versetzt. Es gab damals noch diverse alte Akten und Stationspläne in den Schubladen. Leider war ich zu anständig und habe nichts davon mitgenommen. An eine Akte kann ich mich aber noch erinnern: Darin beschwerten sich die Stationsbeamten über das ausgeleierte Stellwerk und die Klappscheibensignale und verlangten den dringenden Ersatz durch Lichtsignale. Je nach Witterung liessen sich die Signal nur auf Fahrt stellen, wenn ein Beamter jenseits der Gleise zusätzlich am Drahtzug zerrte. Nicht besser wurde das Ganze, dass sich die wartenden Reisenden über diesen Murks lustig machten.

Fazit: Für uns Stellwerkbegeisterte sind solche alten Anlagen sensationell, aber wenn man täglich damit arbeiten musste, sah es anders aus...

 

Eien zeitgenössische Foto vom Bahnhof Ins mit einem Triebwagen der FMA in Gleis II. Der Bahnhof ist noch zweisprachig "INS - ANET" angeschrieben.

Foto aus der Broschüre "100 Jahre Bern-Neuchâtel" mit freundlicher Genehmigung der BLS AG

 

Ins war Wohnort des bekannten Schweizer Malers Albert Anker. Dieser ist hat für seine Reisen nach Paris auch die Bahn benutzt. Deshalb ausnahmsweise eine bahnfremde Abbildung. Das Bild "Turnstunde in Ins" habe ich nicht zufällig ausgewählt: Im abgebildeten Schulhaus bin ich 1974 - 1978 zur Schule gegangen. Geturnt haben wir allerdings in der Turnhalle und nicht mehr vor dem Schulhaus...

Foto Wikipedia

 

In der BLS Hauszeitschrift März 1979 hat der Stationsvorstand Ins einen Artikel zu seiner Station geschrieben. Darin ist auch eine Rüge von Albert Anker enthalten, die er seinerzeit ins Beschwerdebuch der Station geschrieben hat.

BLS-Hauszeitschrift Sammlung S. Niklaus

 

Eine weitere bekannte Geschichte im Zusammenhang mit dem Bahnhof Ins ist der "Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürenmatt: Die Idee zur Geschichte kam Dürrenmatt auf dem Bahnhofsplatz Ins.

 

Im Jahr 1986 wurde das Stück in einer viel beachteten Freilichtaufführung am Orginalschauplatz aufgeführt. Im Gegensatz zu heute war eine solche Aufführung damals ein absolutes Novum. Im Stück integriert war ein Zug (Lok Ce 4/4 und ein paar alte Personenwagen), der ins Stumpengleis 6 einfuhr und dem die "alte Dame" entstieg. Die Rolle der alten Dame spielte die Schauspielerin Annemarie Blanc. Ich habe die eindrückliche Aufführung damals besucht und kann mich noch gut daran erinnern.

 

So hat es das kleine Ins auch zu einer Erwähnung im renommierten "Spiegel" geschafft:

 

Quelle: Internet

 

Es gibt sogar einen dritten kulturellen Bezug zur Umgebung des Inser Bahnhofs: Im eindrücklichen Film "Dällebach Kari" aus dem Jahr 1970 mit Walo Lüönd in der Hauptrolle spielt eine Szene am Bahnhof Ins.

 

https://www.youtube.com/watch?v=79WE237awzw

 

Die Szene im und vor dem Bahnhofbuffet Ins gibt es von 1.42:22 - 1.42:38.

 

Das Gebäude steht immer noch, es ist allerdings kein Restaurant mehr.