Arbon

Lageplan und Verschlusstafel der Station Arbon mit Datum 4. Februar 1910 (unten rechts).

 

Plan Sammlung K. Hinrichs

 

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Der gleiche Plan als vergrösserbares pdf

 

 

Arbon wurde im Jahr 1911 mit einem Befehl - und Wärterstellwerk Bruchsal J ausgerüstet. Der vorangehende Plan wurde also schon vor der Inbetriebnahme erstellt.

 

Für einen Bahnhof dieser Grösse hätte wohl auch ein einziges Stellwerk genügt. Das Befehlsstellwerk weist 6 Weichenhebel auf und das Wärterstellwerk deren 16, also insgesamt 22 Hebel.  Vermutlich wurde das Wärterstellwerk wegen der einseitigen Lage des Aufnahmegebäude (AG) erstellt. Der Weichenkopf Seite Horn ist von dort aus nicht einsehbar und es gab damals viel Verkehr mit der Firma Saurer. Auch rechnete man wohl mit einer Erweiterung der Anlage. Es sind bereits projektierte Gleise gestrichelt eingezeichnet. Zusätzlich wären Weichen 2, 5, 7 und 10 hinzugekommen.   

Auch für Gleis 10 ist eine angedachte Verlängerung mit einer Brücke über die Arboner Aach eingezeichnet. All diese Erweiterungen sind meines Wissens aber nie gebaut worden.

 

Das Anschlussgleis der Firma Saurer wurde beim AG mit Weiche 6 und einer Drehscheibe angeschlossen. Von dieser Seite konnten also nur einzelne Wagen zugeführt werden.

 

Auf der andern Seite sind die Bezeichnungen der Anschlussweichen schlecht entzifferbar. Für mich sieht es aus, als ob sie α und β getauft wurden, also alpha und beta. Falls das wirklich so ist, wäre das ein Novum. Griechische Buchstaben sind mir bislang im Rahmen dieser Homepage noch nicht begegnet.

 

 

 

 

Vergrösserter Ausschnitt aus dem vorangehenden Plan. Da die Zahlen schlecht lesbar sind, hier die Hebel im einzelnen:

 

Weichen:   1   Res   3 Sp   4 Sp   Res   6 Sp   Res   8/11   9   Res

 

Signale:     A   Ad   B   Res   Res   C   Dd   D

 

Vergrösserter Ausschnitt aus dem vorangehenden Plan.

 

Weichen: 12   12a Sp   13a   13b   14 Sp   15a   15b   16   17   Res   18a   18b   β   19   20    21   22 Sp   Res

 

 

Irgendwann war ich auch mal in Arbon, wie diese undatierte Skizze in meinen Unterlagen belegt. Vermutlich war es Mitte der 80er Jahre, als ich durchs Fenster spioniert habe. Die Anlage hat sich seit 1911 nur wenig verändert. Das Befehlwerk bedient noch die gleichen Weichen, nur Weiche 9 gibt es nicht mehr. Zusätzlich sind Lichtsignale vorhanden, aber noch keine Ausfahrvorsignale.

 

Fotos habe ich damals leider keine gemacht. Auf der Homepage von S. Gander sind jedoch viele davon zu finden: Link 

 

 

Plan mit Stand 2004

 

Der Gleisplan ist erheblich vereinfacht und viele Weichen wurden ausgebaut. Dazu eine Beschreibung von Ueli Dikenmann:

 

Das Wärterstellwerk war ein Rangier- und Zustimmungsstellwerk. Im letzten Zustand hat es sicher Weiche 19 bedient, wahrscheinlich auch 12a / Sperrschuh 12a und 25 / 26, da diese Schutz gegen Zugfahrten bieten könnten. Im Bereich des Freiverladeplatzes waren die Weichen zuletzt ortsgestellt (Y Symbole im Plan).
 
Ausserhalb der Zeiten mit Rangierbetrieb war das Wärtertstellwerk durchgeschaltet, neben dem üblichen Durchschalthebel gab es dafür ein Blockfeld. Bei Durchschaltung waren dann alle 8 Blockfelder "Zustimmung nach dem (Wärter-)Stw" (D Befehlsabgabe) bzw. "Zustimmung von Stw" (nachdem dort die gewünschte Fahrstrasse verschlossen war) weiss.
So konnte der Fdl die 4 Hauptsignale mit 8 Fahrstrassen alleine ohne Zustimmungswechsel auf Fahrt stellen. Zu diesem Zweck war ihm auch die Einfahrweiche 21 zugeteilt worden.
Die für Zugfahrten benötigten Gleise und Weichen waren von Einfahr- zu Einfahrsignal lückenlos isoliert.
 
Die Weichen des Befehlsstw wurden elektrisch angetrieben. In den Hebelsperren befinden sich die Lampen für beide Endlagen und Störungen. Unter den silbernen Deckelchen unten befindet sich ein Hebelchen, um bei Störungen die Weichenisolierung umgehen zu können.
 
Aussergewöhnlich bei einem solchen Stw, dass offenbar keine Schmelzsicherungen für die Weichenüber-wachung vorhanden waren. Im Dominokästchen zwischen Weichen- und Signalhebel befindet sich u.a. eine Rückstelltaste für Weichenaufschneidungen, plombiert mit Zählwerk (entspricht der Technik von Domino 67 und 69).
 
Beim Streckenblock handelte es sich um den weit verbreiteten halbautomatischen Gleichstromblock. Dass die Tasten irgend wo es Platz hatte zu finden waren, war nicht unüblich. Die Blockumgehungstasten befinden sich bei mechanischen Stw in aller Regel in der Hebelsperre der Ausfahrsignale. Ich vermute, dass der im drittletzten Bild von Simon Gander erkennbare Bildschirm dem Erkennen des Zugschlusses diente, da die Blockrückmeldung manuell erfolgte.
 
Arbon wurde im Lauf der Jahre zur Überwachungsbahnhof von nicht weniger als 11 Barrierenanlagen. Deren Bedienungs- und Meldeelemente befanden sich in der Dominokasten links. Die Barrieren scheinen hauptsignalabhängig gewesen zu sein, teilweise auch durch die Ausfahrsignale der Nachbarstationen bzw. mit den Barrieren Deckungssignalen T und U Seite Egnach. Früher gab es dafür diverse Barrierenposten.

 

Bemerkungen von U. Dikenmann. Als Grundlage dienten die Fotos auf der Homepage von S. Gander

 

 

2007 wurden schliesslich die mechanischen Stellwerke von 1911 durch ein elektronisches Stellwerk Elektra 2 ersetzt. Nachfolgend ein pdf mit Stand 2015:

 

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Alle nicht anders gekennzeichneten Pläne Sammlung S. Niklaus

 

Zum Schluss noch ein paar Jugenderinnerungen von Kuno Hinrichs zu Arbon:

 

 

Ich bin in Steinach aufgewachsen. Steinach ist die unmittelbare Nachbargemeinde von Arbon. Der Bahnhof Arbon ist denn auch “unser“ Bahnhof gewesen und grenzt im Osten unmittelbar an die Gemeinde Steinach, etwa 10 Meter nach der Einfahrweiche Richtung Horn, nach der Brücke über die Aach, siehe Gleisplan. Die meisten Leute aus Steinach haben einen kürzeren Weg zum Bahnhof Arbon gehabt als die Leute aus Arbon selbst.

 

Das Befehl- und das Wärterstellwerk in Arbon sind dann auch meine “Einstiegsstellwerke“ gewesen. Ich habe einen der Bahnhofvorstände und seine Familie persönlich gekannt und, wie könnte es anders sein, um Stellwerkpläne “angebettelt“. Ich bin damals in der Primarschule gewesen, ca. 2. Hälfte 1960-iger Jahre. Leider ist mir damals beschieden worden, dass solche Pläne vertraulich und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt seien. Sie könnten nur zu Studienzwecken herausgegeben werden. Als Primarschüler habe ich da nicht mithalten können. Ich habe dann, quasi als “Ersatz“, eine Skizzensammlung über Personen- und Gepäckwagen der SBB erhalten, Reglement 401.21. Ich habe das Reglement noch heute. Es ist eines meiner ersten Sammlungsstücke.

 

Zum Bahnhof Arbon in den 1960-iger Jahren:

 

Er hatte im östlichen Teil eine umfangreiche Anlage, die heute weitgehend abgebaut ist. Über jene Anlage ist bis Mitte 1975 ein umfangreicher Güterverkehr abgewickelt worden. An die Anlage angeschlossen gewesen sind die früheren Geleise des Werks 2 der “Adolph Saurer AG“, einstmaliger Hersteller für Webmaschinen und Nutzfahrzeuge. Die Geleise jenes Unternehmens dürften von der Ausdehnung her  etwa  denjenigen des Bahnhofs Arbon entsprochen haben. Der Anschluss hat unmittelbar hinter dem Wärterstellwerk gelegen. Saurer hat einen eigenen Bahnhof mit Schienentraktor gehabt. Letzterer hat auch den Bahnhof Arbon bedient. Wenn der Traktor in Revision gewesen ist, hat sein Dienst, in den 1960-iger Jahren, eine E 3/3 “Tigerli“ übernommen. Leider ist mit dem Niedergang  der “Adolph Saurer AG“ und weiterer Güterkunden in Arbon, etwa der “Hermann Forster AG“, Hersteller von Küchen, Kühlschränken sowie Radiatoren, und  der “Hamel AG“, Hersteller für Zwirnmaschinen, auch das Schicksal der Güteranlage besiegelt gewesen. Heute ist die Anlage kaum noch ein Schatten dessen, was sie einmal gewesen ist. Derzeit wird die Anlage nach meinem Wissen nur noch regelmässig von der “Stadler Rail“ zum Abstellen von Zügen benützt. Aktuell steht ein “Giruno“ dort. Die Gefahr vor Sprayern scheint in der Provinz etwas kleiner zu sein als sonstwo... Es würde mich nicht wundern, wenn der Rest der Güteranlage auch noch abgebaut würde. Der grösste Teil des ehemaligen Saurer-Areals ist heute im Eigentum der “HRS-Immobilien“. Diese überbaut das Areal mit Wohnbauten im Luxussegment.   

 

Kuno Hinrichs  

 

 

Die beschriebene Nähe zum Bahnhof Arbon dürfte auch der Grund gewesen sein, dass Steinach erst im Jahr 2007 eine eigene Haltestelle an der Seelinie erhalten hat.   

Die Brücke über die Arboner Aach überquert auch die Kantonsgrenze zwischen Arbon (TG) / Steinach (SG).