Ebenfalls auf "Kundenwunsch" ein schöner Plan von Airolo aus dem Jahr 1934. Nicht einfach zu scannen, aber in der Grösse einigermassen in Format A4.

 

Verschlussplan und Stellwerke

 

 

Stellwerke und Gleisplan

 

  • Freigabewerk vor dem AG, Wärterstellwerk auf der gegenüberliegenden Bahnhofsseite
  • Auf dem Plan ist "Sistema Bruchsal 1903" vermerkt. Gemäss dem Buch Wägli ist es ein Bruchsal G aus dem Jahr 1898
  • Die Signale Seiten Göschenen sind zwar mit A 1/2 bzw. B 1/2 bezeichnet, können aber nur Fahrbegriff 2 zeigen. Die Bezeichnungen müssten eigentlich A 2 bzw. B 2 lauten. Ein - und Ausfahrten Seite Göschenen sind nur mit V/max 40 km/h möglich
  • Weiche 8 ist eine Minusweiche. In der Grundstellung (Weichehebel oben) steht sie auf Ablenkung. Erkenntlich ist das an der Schraffur auf dem Stellwerksplan bzw. dem Verschlussplan. Im Stellwerk werden solche Weichen mit einer roten Zahl auf dem Hebel gekennzeichnet, also hier mit 8. Eine Minusweiche in einem duchgehenden Hauptgleis ist eher speziell
  • Es gibt keine Durchfahrsignale
  • Im Freigabewerk und im Wärterstellwerk sind die Fahrstrassen nicht in der Reihenfolge a - b - c - d angeordnet, sondern a - b - d - c
  • Im Gegensatz zu anderen Bahnhöfen wurde beim Stellwerk mit Reserveplatz sparsam umgegangen. Der Weichenhebel 18b hatte zwischen Fahrstrassen- und Signalhebeln keinen Platz mehr und musste ausserhalb angebracht werden
  • Bei den Signalen C und D gibt es je einen Hebel je Fahrbegriff. Meistens wurde dafür ein Umkehr-Signalhebel verwendet, bei dem sich mit einem Hebel zwei Fahrbegriffe einstellen lassen
  • Seite Gotthardtunnel ist die Gleisanlage für schweizerische Verhältnisse grosszügig ausgestattet. Die Ein - und Ausfahrten führen über getrennte Weichenfahrstrassen. So kann gleichzeitig von Göschenen in Gleis V eingefahren und nach Göschenen aus Gleis VI oder VII ausgefahren werden
  • Der Bahnhof ist beidseitig mit Streckenblock ausgerüstet, was die Wichtigkeit der Gotthardlinie unterstreicht
  • Ins Rampengleis VII kann von Seite Ambri-Piotta (nicht aber von Göschenen) eingefahren werden. Normalerweise sind bei Rampengleisen nur Ausfahrten möglich
  • Der Bahnhof ist grosszügig mit Rampen bestückt: An Geleisen 19, 1 und VII gibt es insgesamt 3 davon. Mit dem Autoverlad kam später noch eine Vierte dazu (siehe Gleisplan Kreis II 1966). Dagegen ist der Güterschuppen (MM = magasino merci?) eher klein ausgefallen
  • Seite Ambri-Piotta sind 3 Fühlschienen vorhanden (P. = pedalo??)
  • Auch auf 1142 m ü.M. gibt es Wagenwäsche, Brückenwaage und Verladekran
  • Zusätzlich gibt es eine Lokremise mit zwei Gleisen und einer Drehscheibe
  • Eingezeichnet ist auch ein "Monumento". Dieses wurde 1932 zum Gedenken an die Opfer des Tunnelbaus aufgestellt. Das auf einem Stellwerksplan ein Denkmal eingezeichnet wird, dürfte heute eher nicht mehr vorkommen...

 

Die Gleisanlage mit Weichen auf Ablenkung im durchgehenden Hauptgleis und ohne Durchfahrsignale zeigt, dass es zu dieser Zeit kaum in Airolo durchfahrende Züge gegeben hat. Bei den Zügen aus Süden wurden Vorspannlokomotiven abgehängt, die den südwärts fahrenden Zügen wieder mitgegeben wurden. Und talwärtsfahrende Züge mussten anhalten, damit Personal zum Bedienen der Handbremsen aufsteigen konnte, den sogenannten "Bremsern". Es waren noch nicht alle Güterwagen mit Luftbremse ausgerüstet

 

 

1946 wurde das Freigabewerk durch ein elektrisches Stellwerk ersetzt:

  • Alles Lichtsignale, zusätzliche Vorsignale
  • Die Signale Seite Göschenen heissen nun korrekterweise A 2 bzw. B 2
  • Seite Göschenen ist signalmässiger Einspurbetrieb möglich. Fahrstrassen af für Einfahrt vom falschen (= rechten) Gleis bzw. bf für Ausfahrten nach dem falschen Gleis
  • Segnale d'avvertimento Ba bei der Einfahrt in den Gotthardtunnel. Das dürfte ein Deckungssignal gewesen sein, d.h. das Signal leuchtete rot, wenn das Streckengleis stellwerkmässig gesperrt wurde
  • Einzelne Gleisabschnitte sind mit Isolierungen ausgestattet worden, insbesondere bei der Einfahrt in den Gotthardtunnel
  • Die wichtigsten Weichen wurden mit elektrischem Antrieb versehen
  • Die Fühlschienen wurden entfernt
  • Die Nummerierung der Weichen hat geändert
  • An mehreren Stellen wurde die Gleisanlage erweitert (Weichen 41, 42 + 43 // Weichen 22 + 31 // Weichen 24 + 30)

 

Hier noch ein Zirkular Z 33 53 aus dem Jahr 1953: Für den Umbau der Stalvedrobrücke wurde während zwei Wochen Einspurbetrieb durchgeführt. Um den Ablauf zu beschleunigen, wurde während dieser Zeit einspuriger Betrieb eingeführt und die Stellwerke entsprechend angepasst.

 

1958 beschafften die SBB eine mobile Stellwerkanlage Domino 55 ohne Zwergsignale. Damit wurde eine provisorische Weiche für den Übergang Doppelspur - Einspur bedient. So konnten bei grösseren Bauarbeiten die einspurigen Abschnitte auf der vielbefahrenen Gotthardstrecke verkürzt werden. Die Stationsdistanz Airolo - Ambri-Piotta beträgt z.B. fast 7 km.

 

Stellwerkspläne Sammlung Hinrichs

Z 33 53 Sammlung Dikenmann