Holzminden

Holzminden liegt im südlichen Niedersachsen an der Weser. Hier kamen die doppelspurigen Strecken aus Kreiensen,  Ottbergen und Scherfede zusammen.

 

           Kursbuchkarte 1978

         Kursbuchkarte 1985

         Kursbuchkarte 1991


Den Niedergang der Strecke nach Scherfede zeigen diese Ausschnitte aus den Karten des DB-Kursbuch. 1978 ist die Strecke noch voll in Betrieb. 1985 wurde sie als "Bus-Linie ehemals Schienenstrecke" gekennzeichnet. 1991 war sie dann vollständig aus den Plänen verschwunden.

 

Wie üblich ein paar Betrachtungen zum Gleisplan. Die Geschichte der Bahnen und Stellwerke in Holzminden ist im Internet umfassend dokumentiert. Am Schluss habe ich dazu noch ein paar Links dazu eingeführt.

 

Ausser dem Gleisplan habe ich keine weiteren Unterlagen wie Stellwerkspläne oder Gleisbelegungstabellen. Es sind also nur Vermutungen, wie es gewesen sein könnte. Es ist wahrscheinlich, dass ich manchmal danebenliege.

 

Der Gleisplan ist auch nicht datiert. Ich vermute, er stammt aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg, also 1930er Jahre.

 

Die Gleisbezeichnungen sind von mir eingetragen und stimmen nicht mit der Realität überein.

 

 

Stellwerke

 

Im Plan finden sich nicht weniger als 5 Stellwerke:

Hw    (Holzminden West)

Hmb  (Holzminden Befehlsstellwerk)

Hm    (Holzminden Mitte)

Hs      (Holzminden Süd)

Ho      (Holzminden Ost)

 

Später gab es nur noch 2 Stellwerke:

Hwf  (Holzminden West Fahrdienstleiter) elektromechanisch VES

Ho    (Holzminden Ost) mechanisch

 

2008 kam schliesslich ein elektronisches Stellwerk SIMIS D in Betrieb. Es wird von Göttingen ferngesteuert

 

 

 

Gleise, Weichen, Signale (Betrachtungen von West nach Ost)

 

Das Einfahrsignal Y von Ottbergen ist dreiflüglig, jenes von Scherfede nur zweiflüglig. Das könnte folgendes bedeuten:

Von Ottbergen 1 Flügel: Gerade Einfahrt nach Gleis 2 

                           2 Flügel: Einfahrt für Personenzüge nach Gleis 3 (nur via Gleis 54 möglich)

                           3 Flügel: Güterzüge nach Gleis 60

 

Von Scherfede 1 Flügel: Personenzüge nach Gleis 3

                            2 Flügel: Güterzüge nach Gleis 61

Ob Einfahrten von Scherfede nach Gleis 1 möglich sind, muss ich offenlassen. Weichenverbindungen sind vorhanden, aber dann müsste Signal Z eigentlich auch dreiflüglig sein.

 

Gleise 60 und 61 sind eine Art innere Einfahrgleise für Güterzüge. Die eigentlichen Gütergleise sind Gleise 10 und 11. Dazwischen gibt es noch die inneren Einfahrsignale R und S. Das ist eine ziemlich grosszügige Lösung und deutet auf einen starken Verkehr hin. Wenn z.B. Gleise 10 oder 11 besetzt waren, konnte ein  Güterzug in Gleis 60 oder 61 angenommen werden und so das Streckengleis für einen nachfolgenden Zug freigeben.

Es ist denkbar, dass von Ottbergen auch nach Gleis 61 und von Scherfede nach Gleis 60 eingefahren werden konnte. Von den Weichenverbindungen her ist das möglich.

Die inneren Signale R und S sind mit Vorsignalen ausgestattet. Signal S ist wegen der besseren Sichtbarkeit nicht direkt an Gleis 61 aufgestellt, sondern zwei Gleise weiter rechts. 

 

Ein auffälliges und wohl auch wichtiges Gleis ist die Nummer 55. Von dort können alle Gleise in der ganzen Breite inklusive BW (Lokschuppen) erreicht werden. Es liegt eben in einem Einschnitt, während die danebenliegenden Gleise schon in die Steigung übergehen.

 

Daneben befindet sich ein Gebäude mit der Bezeichnung "UL". Das könnte Umlad bedeuten, also eine Halle für den Umlad von Stückgütern. Am mittleren Gleis, das nicht in die Halle führt, ist ein Lademass vorhanden, in einem Gleis zusätzlich ein Wasserkran. Das Lademass macht Sinn, der Zweck des Wasserkrans an dieser Stelle ist mir hingegen nicht klar.

 

Hinter dem BW rechts befindet sich ein Gleis mit der Bezeichnung "Hf". Das ist das Anschlussgleis zum Hafen an der Weser. Dass es in Holzminden einen Hafen gibt, hätte ich nicht gedacht, die Weser ist aber tatsächlich auf ihrer ganzen Länge schiffbar.

 

Es gibt 2 BW (Lokschuppen), da die Stecken ursprünglich von 2 verschiedenen Bahngesellschaften betrieben wurden. Eines der BW hat 23 Stände, das andere deren 12. Die umfangreichen Gleisanlagen umfassen die für den Betrieb von Dampflokomotiven notwendigen Einrichtungen wie Drehscheiben, Unterhaltsgruben, Wasserkräne, Bekohlungsanlagen etc. 

 

Es gab im übrigen auch zwei verschiedene EG (Empfangsgebäude).

 

Beim Stellwerk Hmb finden sich 3 Ausfahrsignale L, M und N, wobei ich bei L nicht sicher bin, ob es überhaupt ein Hauptsignal ist. An dieser Stelle wäre es eher ungewöhnlich, da das dahinter liegende Gleis 17 nur ein Abstellgleis ist. Evtl. für Lokomotiven ab dem BW Richtung Scherfede. Sie könnten bis Gleis 43 vorziehen und von dort signalmässig abfahren. Immerhin führt Gleis 43 direkt auf das rechte Gleis der Doppelspur Richtung Scherfede. Das ist aber wie bereits erwähnt eine reine Spekulation.

 

Signal M ist das Ausfahrsignal von Gleis 3 (Personenzüge) und N von Gleis 4 (Güterzüge). Beide Signale sind zweiflüglig, daher ist anzunehmen, dass Fahrten sowohl Richtung Ottbergen wie Scherfede möglich sind.

 

Ebenfalls zweiflüglig ist das Ausfahrsignal K in Gleis 1. Vermutlich 1 Flügel für Ausfahrt Richtung Ottbergen, 2 Flügel Richtung Scherfede.

 

Im Bereich von Gleisen 12 - 14 befinden sich der Güterschuppen und die Ortsgüteranlagen mit diversen Rampen, Waagen (insgesamt 4!) und einem Lademass

 

Im Personenbahnhof gibt es nur 3 Bahnsteigkanten, das scheint mir für einen Bahnhof an 3 doppelspurigen Strecken eher wenig. Der Güterverkehr war wohl umfangreicher als der Personenverkehr. Gleise 17 und 18 dienten evtl. als Aufstellgleise für in Holzminden beginnende Reisezüge.

 

Gleis 4 (und evtl. Gleis 5) ist das Gleis für Güterzüge in der Richtung Kreiensen - Ottbergen / Scherfede. Richtung Kreiensen sind Ausfahrten aus Gleisen 11, 10 und vermutlich 9 und / oder 8 möglich.

 

Es gibt einen Ablaufberg, aus dem 10 Gleise erreicht werden können. Das dahinter liegende Ausziehgleis scheint mir eher etwas kurz geraten.

 

Es gibt keine Weichenverbindung aus den Gütergleisen 8-11 aufs falsche Gleis Richtung Kreiensen. Wenn dieses Gleis gesperrt ist, beispielsweise wegen Bauarbeiten, können Güterzüge erst nach einem Umstellmanöver ausfahren. 

 

 

 

Links

 

Stellwerksbesichtigung im Jahr 2002 und Angaben zur Geschichte: 

http://www.eisenbahnfreunde-einbeck.de/stellwerk.htm

 

Stellwerke der Betriebsstelle Holzminden:

Betriebsstelle Holzminden (HHZM) | Stellwerksdatenbank (stellwerke.info)

 

Abriss Stellwerk Hwf 2020:

https://www.tah.de/newssingle/abriss-des-brueckenstellwerks-auf-dem-bahnhof-holzminden-beginnt

 

Die letzten Getreidezüge nach Holzminden Hafen August 2003

August 2003: Die letzten Getreidezüge von Holzminden Hafen. Br. 216 - YouTube

 

 

 

Lohnend ist auch ein Blick in Google Maps / Streetview:

Es ist zu sehen, dass die beiden Lokschuppen noch existieren, wenn auch ohne Gleisanschluss.

 

Der blaue Punkt beim Reiterstellwerk Mwf weist zudem darauf hin, dass ein Panoramabild verfügbar ist. Es zeigt den völlig verwüsteten Innenraum mit den Überresten des elektromechanischen Stellwerk VES.

https://www.google.ch/maps/@51.8154211,9.4513757,3a,81.4y,168.22h,82.01t/data=!3m8!1e1!3m6!1sAF1QipOxLYBLIETzN0lRjxCupx4F9Ewtv-SuuVEck1Em!2e10!3e11!6shttps:%2F%2Flh5.googleusercontent.com%2Fp%2FAF1QipOxLYBLIETzN0lRjxCupx4F9Ewtv-SuuVEck1Em%3Dw203-h100-k-no-pi-0-ya217.564-ro-0-fo100!7i4608!8i2304

 

 

Holzminden bin ich kürzlich noch in einem anderen Zusammenhang begegnet: Die im Keller neu installierte Heizung funktioniert mit einer Luft-Wärmepumpe der Firma Stiebel Eltron. Und diese hat ihren Hauptsitz in Holzminden. Deshalb ausnahmsweise etwas (unbezahlte) Schleichwerbung: