Weiterer Beitrag von Ulrich Dikenmann, den ich gerne mit bestem Dank veröffentliche. Die Texte sind auch bei den betreffenden Stationen eingefügt.

 

 

Allgemeines zu den Plänen SBB Kreis I 1953  

  • Die römischen Zahlen für Gleise mit Zugfahrstrassen werden nicht mehr überall verwendet.
  • Die mechanischen Einfahrvorsignale werden bevorzugt durch Lichtsignale ersetzt, damit konnten die langen Drahtzüge entfallen und es können bei Bedarf mehrere Signalbegriffe angezeigt werden (mehr als Halt und freie Fahrt erwarten). In der Schweiz wurde ja bekanntlich auf ein dreibegriffiges Formvorsignal verzichtet.
  • Bei Anlagenerneuerungen werden in der Regel Lichtsignale aufgestellt, teilweise werden die vorhandenen mechanischen Stellwerke für sie angepasst (Beispiel Romont).

 

 Genève-Cornavin 

  • Der Plan stammt von 1942 und zeigt den abgeschlossenen Umbau des Personenbahnhofes mit dem grossen neuen Aufnahmegebäude.
  • Auf diesem Plan sind auch die sehr umfangreichen Güter- und Abstellanlagen eingezeichnet, die auf dem Umbauplan (Sammlung 1936) noch fehlten (aber vorhanden waren). Man beachte auch die zahlreichen Gebäude die da standen! Besonders erwähnenswert der Ringlokschuppen (Rotonde), vermutlich für die SNCF-Dampfloks (früher PLM).
  • Interessant dass das projektierte neue Stellwerk I (beim alten III) schon eingezeichnet ist, obwohl es glaub ich erst 1952 als Pultstellwerk Integra (Vorläufer Domino) in Betrieb kam.
  • Vielleicht hat der 2. WK einmal mehr eine Rolle gespielt? In der Schweiz fehlte womöglich noch die Fabrikationsmöglichkeit für Grossanlagen?

 

 

Villaz-St. Pierre bis und mit Matran

  • Die Doppelspur zwischen Romont und Fribourg wurde 1949-1955 erstellt. Dabei kamen neue Einreihenschalterwerke Integra in Betrieb, Villaz-St. P. und Rosé in Pultform, die anderen als Vertikalstw. Villaz-St. Pierre zeigt sich nach dem Umbau, Matran war nur 1949-1952 Übergangsstation von Doppel- auf Einspur. Die übrigen Stationen sind noch im alten Zustand.
  • Interessant das Ausfahrwiederholungssignal B* in Chénens . Hier wurde eine Klappscheibe statt einem Flügelsignal mit Milchglasscheiben wie z.B. in Düdingen B1/2w verwendet. Später wurden Wiederholungssignale mit ** bezeichnet.

 

Fribourg 

  • Die zahlreichen elektrisch angetriebenen Form-Haupt- und Vorsignale der beiden elektromechanischen Schalterwerke Orenstein & Koppel wurden durch Lichtsignale ersetzt.
  • Die Sperrsignale S1 – S3 könnten Scheibenformsignale mit dem Übernamen „Kuchenblech“ gewesen sein? Bemerkenswert der Rundlokschuppen.

 

 

 

Bern Weyermannshaus 

  • Befehl-Stellwerk I, Wärter- und Rangierstellwerk (II und III) alle mit Einreihenschalterwerken VES. Befehl-Stw mit Fdl und Wärter.
  • Das Stw Ausserholligen wird 1957 durch ein Domino 55 mit Zwergsignalen ersetzt, das vom Befehl-Stw mitbedient wird.
  • Aufwändige Signalisierung mit zwei Signalstaffeln je Seite, E und F Seite Westen, J und L Seite PB. Der dreiflüglige Semaphor E1/2/3 zeigt die verschiedenen Fahrrichtungen mit unterschiedlichen Signalisierungen an. Fahrt 1 war glaub ich Fribourg, den Rest kann ich nicht mehr genau zuordnen.

 

Bern

  • Die Nordostseite ist nun wegen der vierspurigen Zufahrt über den Lorraineviadukt vollständig umgestaltet. Der Fdl für den ganzen Bahnhof hat seinen Platz im neuen Befehlsstellwerk I (Vierreihenschalterwerk VES). Die Weichen und Lichtrangiersignale dort bedient ein mit ihm amtierender Wärter.

 

 

Neuchatel

  • Der Plan scheint von 1937 zu stammen und zeigt weitgehend den Zustand nach dem grossen Umbau inklusive Neubau Aufnahmegebäude. Man beachte, dass auch hier der Plan von 1934 nicht vollständig war.
  • Interessant und für mich nicht ganz erklärbar, dass nun 1937 auf einmal nicht weniger als 5 Stellwerke eingezeichnet sind (Stw 4 habe ich nicht entdeckt)? Waren das Provisorien?
  • Die definitive Sicherungsanlage kam jedenfalls erst 1941 mit Lichtsignalen in Betrieb und
  • umfasste meines Wissens nur ein grosses und ein kleineres Wärterstellwerk (beides Vierreihenschalterwerke VES) sowie ein Einreihenbefehlwerk VES im AG.

 

 

Basel SBB PB 

  • Auf der A-Seite Richtung Frankreich wurde gegen Ende des 2. WK ein elektromechanisches Vierreihenschalterwerk VES als Stw I in Betrieb genommen. Es regelt die Zugs- und Rangierfahrten ausschliesslich mit Lichtsignalen, auch zahlreiche Weichen werden von dort aus umgestellt. Der Souschef A (Fdl) erteilt die Freigaben für die Zugfahrstrassen mit einem Tastenpultbefehlwerk Signum (Integra).
  • Auf der B-Seite Richtung Deutschland und der Schweiz ist abgesehen von Lichtgleis- und Ausfahrsignalen noch nicht Neues. Den Verkehr regeln nach wie vor das Stw II (Bruchsal J) sowie einige Handweichenposten (erkennbar 10-14).   

 

Basel SBB GB 

  • 1941 wurde die Verbindungslinie vom RB in den Jura in Betrieb genommen. Die zugehörigen Weichen 1, 2 und 3 (in den GB) sowie Lichtsignale werden vom Stw IV (Bruchsal J) elektrisch ferngestellt. Weichenhebel fehlen, die Fahrstrassenhebel steuern zuerst die Weichen um, dann können Fahrstrasse festgelegt und die betreffenden Signale auf Fahrt gestellt werden.

  

Ulrich Dikenmann