Von Ulrich Dikenmann aus Burgdorf habe ich viele interessante Informationen und Ergänzungen erhalten, die ich nachstehend mit bestem Dank veröffentliche:

 

 

Einige Ergänzungen und Informationen zu Gleisplänen der SBB. Stand ca. 1936, notiert von Ulrich Dikenmann, Burgdorf

 

Vorbemerkungen

 

Die von Stefan Niklaus, Spiez verdankenswert ins Internet gestellten Gleispläne haben mich ermuntert, dazu ein paar Bemerkungen zu machen. Ich habe nur das zu Papier gebracht, was mir besonders aufgefallen ist, denn man könnte praktisch zu jeder Dienststelle etwas schreiben. Meine Zeilen sind etwas einseitig ausgefallen, aber in Basel habe ich den schulischen Teil meiner SBB-Ausbildung absolviert sowie einige Dienstjahre verbracht. Deshalb sind ansatzweise noch einige mögliche Betriebsabläufe in Basel beschrieben.

 

 

Allgemeines

 

  • Ich habe aus den Plänen herausgelesen was schwarz auf weiss bzw. notiert was belegt ist. In wenigen Fällen habe ich genaue Erinnerungen zu Papier gebracht
  • Fehler sind trotzdem nicht ganz ausgeschlossen, gerne nehme ich allfällige Präzisierungen und Berichtigungen entgegen, natürlich auch Fragen

 

 

Anlagen und Pläne

 

  • Besonders auf Einspurlinien sind zahlreiche Strecken noch ohne Block, daher fehlen häufig Ausfahrsignale, oft gab es auch keine „richtigen“ Stw…
  • Aber auch bei vorhandenen Ausfahrsignalen gab es durchaus Strecken ohne Block
  • Weiter waren noch viele nur einflüglige Semaphore (Flügelsignale) vorhanden
  • Bei der Gleisnummerierung bezeichnen römische Zahlen Gleise mit Zugfahrstrassen, arabische Z. ohne (Nebengleise) oder evtl. nur mit Ausfahrzugfahrstrassen
  • Erwähnenswert, dass zahlreiche Signale noch Petrolbeleuchtung hatten, im Güter-bahnhof Basel gab es sogar 1978 immer noch petrolbeleuchtete Weichensignale (sowie einige Handweichenposten)

 

 Nun meistens alphabetisch zu einigen Dienststellen

 

 

Basel St. Johann

 

  • Bei den Haupt- und Vorsignalen handelt es sich vermutlich um elsässisch-lothrin-gische Signale ursprünglich deutscher Herkunft (die Bahn hiess damals noch AL)
  • Die Stellwerke waren Bauart Bruchsal G mit einem Kurbelbefehlwerk im AG

 

 

 

Basel SBB PB

 

  • Die Pläne (mit dem GB drei Teile) sind offensichtlich nicht aus dem „schwarzen Ordner“, sondern es handelt sich um Übersichtspläne der Sicherungsanlagen
  • Es sind noch eine grosse Anzahl von Weichen ortsgestellt, man beachte die O die Handweichen bezeichnen
  • Die anderen mit irgendwelchen Zeichen im oder gar ausgefüllten O zeigen von Stw aus gestellte Weichen (zur Unterscheidung der Stw wurden verschiedene Symbole verwendet)
  • Seite Frankreich ein einziges Gruppenausfahrsignal „C“, Rechtsverkehr auf Strecke
  • Zumindest zu den Stw I und II gab es ein je ein Befehlwerk „A“ und „B“ im AG
  • Es sind eine Menge von (Handweichen-)Posten vorhanden
  • Die Zustimmungserteilung untereinander soll mit Händen, Armen und sogar Beinen erfolgt sein, und das sowohl für Rangier- wie auch Zugfahrten
  • Posten 13 war zusätzlich mit einem Fdl (damals Souschef) besetzt, der zumindest versuchen sollte, das ganze Geschäft im Griff zu haben… und das noch bis 1960!
  • Zusätzliche Konflikte entstanden, wenn der gut frequentierte Ablaufberg im GB zu benützen war. Da musste häufig über W 116 in das Einfahrsignal der Güterzüge von F vorgezogen werden (Ablauflichtsignal „Z3“ steht unter der Peter Merian Brücke)
  • Das blockierte nicht nur einfahrende Güterzüge, sondern auch die Jura-Reisezüge
  • Die Perron waren für die meisten Reisezüge fest zugeteilt, IV dem Jura (Delémont)

 

 

Basel SBB GB

 

  • Diente neben dem umfangreichen Ortsgüterverkehr auch als Rangierbahnhof CH – Ausland! Dieser Engpass bestand bis Inbetriebnahme von Muttenz II in den 1970ern
  • Im GB gab es meines Wissens kein Befehlwerk, die Wünsche des Souschefs “Ost“ im DG beim AS „OD1“ an das Stw IV kamen wohl telefonisch oder wie auch immer
  • Seite PB amtierte der Souschef „Münchensteinerbrücke“ als Aufsicht, sein Standort war, wenn er nicht im Gleisfeld weilte, im kleinen DG neben DKW 248 a/b vor AS „L“
  • Die Güterverbindungskurve RB – Jura kam erst 1941 in Betrieb, somit mussten die Jura-Güterzüge von und nach RB vermutlich im PB wenden (GB war wenig geeignet)

 

 

Basel SBB RB (später Muttenz I)

 

  • Standort Muttenz oder Muttenzerfeld, diente dem Güterverkehr Ausland – CH
  • Kam ab Ende der 1920er bis Anfang der 1930er Jahre etappenweise in Betrieb
  • Ich kann die Pläne nicht öffnen, betr. aber wohl nur eine Teilinbetriebnahme-Phase
  • RB II war auch schon vorgesehen, es kam aber wegen Weltwirtschaftskrise, 2. Welt-krieg und den knappen Finanzen der Nachkriegsjahre lange nicht zu dessen Bau
  • RB I hatte ausschliesslich Einreihen-Schalterwerke VES. Zusätzlich wurde im Stw IV 1929 ein Pultablaufstellwerk VES aufgestellt, es hatte schon einen Ablaufspeicher
  • Die hydraulischen Ablaufbremsen dort waren aber noch handbedient
  • Stw II und VIII waren Befehlsstw, I, IV und V Wärterstw, III, VI und VII Rangierstw
  • Stw VIII hat dann die benachbarten Blocksignale km 6.600 der früheren Blockstelle Hard an der Stammlinie Muttenz – Pratteln mitbedient
  • Als Ziel von Zugfahrstrassen gab es in der Einfahrgruppe A Laternensperrsignale deutscher Bauart, im RB I hatte es noch weitere davon
  • Obwohl im Signalreglement von 1947 enthalten, wurden sie als Sperrsignal dann nicht schweizweit eingeführt, sondern nur als Weichensignal in Sperrstellung für Ev

 

 

Basel, Abzweigstellen (ohne Pläne)

 

Es gab in diesem Zeitraum in Basel noch drei örtlich besetzte Dienst- oder Signalstationen, die alle je ein Stw Bruchsal J besassen und als Abzweigungen dienten. Das waren

 

  • Birsbrücke aus der Stammlinie von Muttenz her in den Güterbahnhof. Durch eine 1932 eröffnete direkte zweigleisige Strecke GB – RB mit Brücke über die Stammlinie wurde Birsbrücke als Blockstation (Blockstelle) Birs für den Stamm weiterbetrieben.
  • Gellert ab 1927 aus der noch einspurigen Verbindungbahn von Basel Bad Bf her in den Rangierbahnhof SBB. Eventuell konnte man bis 1932 in Birsbrücke auch vom GB her die Stammlinie kreuzend in diese einspurige Strecke in den RB gelangen?
  • Ruchfeld aus der Juralinie von Münchenstein her in den Güterbahnhof. 1941 wurde die oben erwähnte Jurakurve in den RB über Weiche 3 im GB auch angeschlossen.

 

 

Bern Hauptbahnhof

 

  • Von Wylerfeld her geht es noch zweispurig über die rote Brücke, der vierspurige Lorraineviadukt mit kompletter Umgestaltung des Stellwerkbezirkes I kam erst 1941
  • Im Stellwerkbezirk II waren wie in Basel eine grössere Anzahl Weichen ortsgestellt
  • In einer DV von 1946 für die Westseite sind sechs (Handweichen-)Posten aufgeführt (zusammen mit den Abstellgleisen)
  • Es ist auch ein Souschef „Schanzenbrücke“ wohl als Aufsicht erwähnt, Standort?
  • Es sind etliche Abstellgleise zwischen den Stw II und III nicht eingezeichnet (bzw. nur deren Weichen?), auch in der Schützenmatte beim Stw I fehlen einige Abstellgleise

 

 

Chur

 

  • Sehr sparsame Signalisierung in einem solch grossen Gemeinschaftsbahnhof! Habe nur ein einziges Ausfahrsignal entdeckt, „E“ Richtung SBB?
  • Sind „A“ und „B“ auch Rangiersignale wie z.B. „C1“ „C2“, „D“ und „D2“? Etwas ungewöhnliche Bezeichnungen für heutige Räumungssignale. Diese Buchstaben waren eher her für Haupt- und Vorsignale gedacht…

 

 

Genève Cornavin

 

  • Auf dem Plan fehlen offenbar viele Güter- und Abstellgleise zwischen Stw II und III
  • Eine Mischsignalisierung ist in Grenzbahnhöfen F – CH nicht ungewöhnlich, dass von der Schweiz her ein französisches Carré als Einfahrsignal in den PB steht, aber sehr!
  • Da wird vermutlich auch auf „Französisch“ in die Schweiz ausgefahren worden sein!?

 

 

 Läufelfingen

  

  • Das fehlende Einfahrsignal von Olten her ist belegt, die Gefahren von steckenblei-benden Dampfzügen (nach einem Signalhalt) im stark ansteigenden Tunnel (26 Promille) wurden mehr gefürchtet als allfällige Hindernisse bei der Einfahrt
  • Die Einfahrzugfahrstrasse wurde natürlich trotzdem verschlossen, einen leer laufen-den Signalhebel gab es auch, zusammen mit einem Schienenkontakt wurde er zur Auslösung der Rückmeldesperre des Felderblockes benötigt
  • Das damalige Stw wurde in den 1890er Jahren in Betrieb genommen, war Bauart Bruchsal G, wurde aber noch mit Schnabel & Henning angeschrieben
  • Etwa gleichzeitig kam zwischen Olten und Läufelfingen eine Blockstelle Hauenstein in Betrieb (weiss aber nicht genau wo, irgendwo im Raum Trimbach oder Miesern)
  • Die Bezeichnung des Scheibensignales „Bd“ könnte evtl. zu einem Durchfahrsignal passen? Genau genommen wäre es dann ein Ausfahrvorsignal, da einzeln stehend

 

 

Le Locle - Col-des-Roches

 

  • Zwei Einfahrsignale D eingezeichnet. Ein offenbar eidgenössisches beim Tunnelportal, ein französisches Carré etwas vor der Einfahrweiche 6
  • Liegt ein Irrtum vor? Oder wäre das beim Tunnel etwa richtig ein Vorsignal?
  • Die Poste an der Kantonsstrasse ist wohl kein Stw, sondern eben die Post…

 

 

Pfäffikon SZ

 

  • Gleissignale auf Signalbrücken sowie zusätzlich sogenannte Linienausfahrsignale
  • Einfahrvorsignale Seiten SBB als Lichtsignale, aber auch die Ausfahrvor- bzw. Durchfahrsignale! Das ist in der CH zusammen mit Formeinfahrsignalen sehr ungewöhnlich
  • Standort der Signale „K ½, Kd und K*“ neben Etzelwerkgleisen statt neben der offenbar noch einspurigen Hauptstrecke (Sichtbarkeit und/oder Platzprobleme?)
  • Brückenstellwerk mit elektrischem Schalterwerk Orenstein & Koppel von 1933

 

 

Rapperswil

 

  • Ein grösserer Bahnhof mit beinahe nur oder ausschliesslich ortsgestellten Weichen
  • Die Handweichenposten sind offensichtlich mit „B.“ für Bude im Gleisfeld verteilt eingezeichnet
  • Ein bestelltes Vierreihen-Schalterwerk VES wurde angeblich noch in D während des 2.Weltkrieges durch Bomben zerstört
  • 1948 vorerst ein Integra-Schalterwerk vertikal nur für Signale und Streckenblock
  • Endgültiger Ersatz erst 1975 durch ein Spurplan-Panoramastw Domino 67

 

 

Renens VD

  •  Die Signalbrücke beim Poste 2 trägt nur 2 Semaphore, später war sie für beide Fahrrichtungen schwer beladen, auch mit Vorrücksignalen (Titelfoto von Stefan Niklaus)

 

 

Winterthur

  

  • Einer der ersten Bahnhöfe (vielleicht der erste), der ausschliesslich Lichtsignale als Haupt- und Vorsignale erhielt, es waren Lichtsignale der US-Firma Westinghouse
  •  Die elektrischen Stw kamen 1932 aus D, alles Einreihen-Schalterwerke VES

 

 

Würzenbach (Ausweichstation, beim heutigen Verkehrshaus)

 

  • Vollständige Lichtsignalisierung, Vorsignale in der ursprünglichen sechs Lampen-Variante
  • Schalterwerk VES km 6.134